Dem Wochenbericht Über die Weltrohstoffmärkte da Hamburger Kreditbank AG‚ dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen

Auf den Weltrohstoffmärkten waren in der Woche vom 21 bis 26. 6. 1954 im Gegensatz zur Vorwoche weder stark. Preisfestigungen noch starke Preisrückgänge zu verzeichnen Die Weizen- und Roggennotierungen ermäßigten sich leicht Hafer, Gerste und Mais konnten sich dagegen festigen. Die industriellen Rohstoffe tendierten im allgemeinen fest. Hierzu dürfte auch die Mitteilung beigetragen haben, daß Präsident Eisenhower weitere 380 Mill. $ für den Ankauf von strategischen Materialien für die US-strategische Reserve vom Kongreß gefordert hat. Eine leichte Preisfestigung ist bei Waren festzustellen, bei denen eine relative Knappheit besteh (Kaffee, Kakao, Schellack) Es ist nicht anzunehmen, daß, bevor endgültige Entscheidungen in Ostasien gefallen sind, eine wesentliche Änderung der uneinheitlichen und labilen Preis tendenz eintritt. Wenngleich die Effektenmärkte der USA vorübergehend auf die Senkung der Weizenpreise reagierten hat diese keinen Einfluß auf die übrigen Rohstoffe gehabt obwohl normalerweise ein Sinken der Weizenpreise einer Preisrückgang bei anderen Rohstoffen nach sich zieht. In der Berichtswoche wurde vielmehr zeitweilig ein stimulierende Einfluß auf den Weizenpreis durch die Erklärung des US-Landwirtschaftsministeriums ausgelöst, daß die Weizenanbaufläche in den USA im Jahre 1955 um 11 v. H gegenüber derjenigen des Jahres 1954 verringert werde.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 21 bis 26. Juni 1954 vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 9 die Tendenz leicht steigend bzw. steigend und bei 11 leicht schwächer. Die Preise von 3 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer und Zink, waren konstant.

Weizen: Während der Berichtswoche trat, wie bereits oben erwähnt, vorübergehend eine Festigung ein, die einmal auf die Ankündigung der Anbaubeschränkung. zurückzuführen war und zum anderen darauf, daß damit gerechnet wird, daß beträchtliche Mengen der neuen Ernte in die Regierungsbeleihung gehen werden. Im Wo Wochendurchschnitt überwog jedoch ein Preisrückgang, da zum Teil ein Verkaufsdruck vorherrschte, der auf die geringe Auslandsnachfrage zurückzuführen ist. Die Exporte vom 1. Juli 1953 bis zum 31. Mai 1954 beliefen sich auf nur 195,7 Mill. bu gegenüber 300 Mill. bu vom 1. Juli 1952 bis zum 31. Mai 1953. – Die USA haben bekanntgegeben, daß US-Weizen und -mehl gemäß dem Internationalen Weizenabkommen aus den Quoten für das Jahr 1954/55 sofort abgerufen werden kann, obwohl üblicherweise die Verschiffung erst nach Beginn des neuen Jahres am 1. August erfolgt Dieses dürfte darauf hinweisen, daß die USA bemüht sind, Lagerraum für die neue Ernte freizubekommen. Die USA rechnen bei Beginn des neuen Weizenjahres 1954/55 mit einem Übertrag von 875 Mill. bu (563 Mill. bu 1. Juli 1953). Obwohl bereits im Vorjahr Anbaubeschränkungen eingeführt wurden, wird die diesjährige Erzeugung auf fast 1 Mrd. bu im Vergleich zu 1,178 Mrd. bu im Vorjahr geschätzt. Im Erntejahr 1954/55 wird unter Einbeziehung des Überhangs eine Gesamtmenge von rd. 1,9 Mrd. bu zur Verfügung stehen, die etwa 79 v. H. über dem Normalniveau liegt. Dieses dürfte der Grund für die jetzt bekanntgegebene Anbauflächenbeschränkung sein. Die für 1955 vorgesehene Beschränkung der Weizenanbaufläche auf 55 Mill. Acres bedeutet gegenüber dem Jahr 1953 mit etwa 78 Mill. Acres eine Verminderung um fast ein Drittel. Sie würde damit ungefähr der Durchschnittsanbaufläche der Jahre 1934/38 entsprechen. Die Beschränkung auf 55 Mill. Acres ist das gesetzlich zulässige Minimum. Immerhin ist es fraglich, ob eine Anbaubeschränkung von rd. 11 v. H. tatsächlich eine entsprechende Ertragsminderung erbringt, da voraussichtlich die ärmsten Böden brachgelegt werden und die verbliebene Anbaufläche intensiver kultiviert wird Eine Anbaubeschränkung um rd. 20 v. H. im Jahre 1954 gegenüber dem Vorjahr hat eine Ertragsminderung von nur 15 v. H. zur Folge. Der Durchschnittsertrag pro Acre ist von 13,2 bu in den letzten zehn Jahren vor dem Kriege auf etwa 17 bu nach dem Kriege gestiegen. – Außerdem hat der US-Landwirtschaftsminister die Einführung von starren Marktquoten angekündigt, die die von den Farmern zu verkaufenden Weizenmengen begrenzen.

Roggen: Die Notierung neigte in der Berichtswoche erneut zur Schwäche. Der New Yorker Locopreis sank am letzten Tag der Berichtswoche auf einen neuen Niedrigstpreis seit dem 1. Januar 1951.

Zinn; Der Zinnmarkt wurde während der Berichtswoche von den Erwartungen über das Zustandekommen des Internationalen Zinnabkommens beeinflußt. In der Berichtswoche haben Thailand, Frankreich, Indonesien und Australien das Internationale Zinnabkommen unterzeichnet bzw. sich zu einer Unterzeichnung bereit erklärt Auch mit der Unterzeichnung durch Dänemark wird gerechnet. Die Haltung Italiens und der Schweiz ist noch ungewiß. Die Bundesrepublik dagegen gab bekannt, daß sie diesem Abkommen nicht beitreten werde.