Der Deutschlandbesuch des Präsidenten der amerikanischen Ford-Werke, Henry Ford II, brachte für die deutsche Ford- Werke AG. in Köln ein besonders markantes Ergebnis: Henry Ford teilte mit, daß in Kürze eine weitere – zweite – Kapitalerhöhung erfolgen soll. Sie ist erforderlich, um die normale Kapazität des Werkes, das nach. Fertigstellung der Erweiterungsbauten im Oktober 200 Wagen arbeitstäglich herstellen kann, dem bereits heute erreichten Stand der Nachfrage von 255 Wagen anzupassen (wobei mitgeteilt wurde, daß die heutige Produktion die Nachfrage gerade noch deckt, was aber nur durch zusätzliche Ausnutzung der Anlagen im Drei-Schichten-Betrieb ermöglicht wird). Bei der zweiten Kapitalerhöhung wird sich das gleiche Problem ergeben wie bei der ersten: daß nämlich für die deutschen Aktionäre das Bezugsrecht (zu pari) bei einem sehr viel niedrigeren Börsenkurs nicht attraktiv ist. Ohne eine angemessene Dividende wird der Kurs nicht den Paristand erreichen; bei Nichtausnutzung des Bezugsangebotes durch die außenstehenden Aktionäre aber wird der Anteil des Großaktionärs am Gesamtkapital immer größer werden ...

Bisher war eine nur dreiprozentige Dividende als in Aussicht stehend angekündigt worden. Wie man nun hörte, soll eine leichte Verbesserung in Erwägung gezogen sein. Die Marktentwicklung wird von der Verwaltung optimistisch beurteilt. Den Export hofft man auf über 50 v. H. der Produktion bringen zu können. Sämtliche Pkw-Produzenten der Bundesrepublik seien heute der Auffassung, daß eine wesentliche Absatzsteigerung mit einem Umbau der Kraftfahrzeugsteuer, also durch deren Verlagerung auf den Treibstoffpreis, erreicht werden könne. – Mit einer Preisermäßigung Ford ist, wie man hört, zumindest in den nächsten drei Monaten nicht zu rechnen.

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Der amerikanische Gast war auch von offiziellen Kreisen mit betonter Herzlichkeit empfangen worden: er konferierte mit Bundeskanzler Adenauer und kam im Hause des Generaldirektors der deutschen Ford-Werke AG., Edgar Vitger, mit Bundespräsident Heuss, Bundeswirtschaftsminister Erhard und Bundesfinanzminister Schäffer ins Gespräch. Vor der Kölner Industrie- und Handelskammer sprach er dann über die „Freiheit des Wettbewerbs wobei er auf den in den Staaten selbstverständlichen Grundsatz hinwies, daß die Wirtschaft über Wettbewerb und Leistung im freien Spiel der Kräfte zur Blüte gebracht wird. Er bekannte jedoch auch offen, daß es sich beim Wettbewerb um einen „rauhen Sport“ handele, der ausschließlich den moralischen und rechtlichen Regeln der Fairneß unterstehe: Mit Rücksicht auf den Verbraucher könne es in der Industrie niemals zuviel und zu starken Wettbewerb geben. E. T.