DIE ZEIT

Sechs Herrenmenschen

In Metz sind sechs der angeklagten Lagerleiter und Funktionäre des KZ-Lagers Struthof (bei Straßburg) zum Tode verurteilt worden.

Botschafter oder Hochverräter

Ein müder Diplomat saß gestern den ganzen Tag am Telephon, um zu erfahren, ob er ein Botschafter, ein Botschafter a. D. oder ein Emigrant sei.

Vogels Bärendienst

Einer der aktivsten Befürworter des Koordinierungsausschusses, mit dem der frühere Staatssekretär Lenz unter Zuhilfenahme verschiedener Fonds die öffentliche Meinung auf Vordermann bringen möchte, ist der Bundestagsabgeordnete der CDU, Rudolf Vogel.

Konflikt um Amnestie

Der Appell des Bundesjustizministers an den Bundesrat, dem vom Bundestag verabschiedeten Amnestiegesetz in der vorliegenden Fassung zuzustimmen, hatte keinen Erfolg.

Poincaré ist tot

Der erste Schritt zur Wiederherstellung der Souveränität Deutschlands ist getan. In London ist ein Komitee englischer und amerikanischer Sachverständiger der beiden Außenministerien zusammengetreten, um eine Möglichkeit zu finden, die Deutschland schleunigst seine Souveränität wiedergibt, ohne daß die Ratifizierung des EVG-Vertrages noch länger abgewartet zu werden braucht.

Charles Kersten

Charles J. Kersten, der als Vorsitzender eines Kongreßausschusses in Deutschland Untersuchungen über die Methoden kommunistischer Durchdringung leitet, darf für sich in Anspruch nehmen, daß er die Torheit der Roosevelt-Morgenthau-Politik früh durchschaute.

ZEITSPIEGEL

Als „legalisierte Straßenräuber“ hat der SPD-Landtagsabgeordnete Franz Josef Furtwängler in einer Handwerkerversammlung in Wiesbaden die „Steuereintreiber“ der hessischen Finanzämter bezeichnet.

Was sonst noch geschah

In einer Pressekonferenz im Ostberliner „Haus der Presse“, die von dem in der sowjetischen Besatzungszone gegründeten „Ausschuß für deutsche Einheit“ einberufen war, ist der ehemalige Generalfeldmarschall Paulus zum erstenmal vor die Öffentlichkeit getreten.

Was ist die Labour Party?

Jedes Zweiparteiensystem leidet darunter, daß es der Vielfalt menschlicher Ansichten nicht ausreichend Rechnung trägt. Da andererseits die klare Trennung in eine Regierungspartei und eine Oppositionspartei das Geschäft des Regierens sehr vereinfacht, versucht man in England lieber, all die verschiedenen auseinanderstrebenden Kräfte immer wieder unter einen Parteihut zu bringen, als daß man eine dritte, vierte oder gar fünfte Partei aufkommen ließe.

Sterben für Hanoi...

Die Auffassung, die Räumung im Delta des Roten Flusses sei auf eine in Genf getr.offene geheime Abmachung zwischen Vertretern Frankreichs und der Vietmin zurückzuführen, trifft nicht zu; Der aus der Zeit Laniels datierende französische Räumungsplan war die Alternative, falls die Entsendung von drei neuen französischen Divisionen nach Indochina nicht durchgeführt werden sollte.

Verbitterung in Amerika

Die Amerikaner sind tief enttäuscht. Und da sie ein stolzes, ungeduldiges und in mancher Weise naives Volk sind, befinden sie sich zur Zeit in einer äußerst gereizten Stimmung.

Der Unfug der Zeitungswissenschaft

Die „Zeitungswissenschaft“. als selbständige Disziplin verdankt ihre Existenz der allgemeinen Tendenz zur Spezialisierung. Zur Frage ihrer Berechtigung bemerkte der große Soziologe Ferdinand Tönnies einmal ironisch, wohl gebe es eine Zeitungswissenschaft, aber für sie einen ordentlichen Lehrstuhl einzurichten, sei nicht weniger sonderbar, als wolle man ihn innerhalb der Zoologie der „Entenwissenschaft“ einräumen, obwohl auch sie möglich sei.

Panne im PEN

Nirgends sonst werden Schriftsteller würdiger empfangen als bei den Tagungen des Internationalen PEN-Klubs, als ob man sie hier entschädigen wollte für die übliche Vernachlässigung ihres Standes.

Der Apparatschik

Die Zahl der Menschen ist rascher gewachsen als das Gewebe zwischen ihnen. Die Sanftmut des Wachstums eines Gesellschaftsbaues kann nicht Schritt halten mit dem Bedürfnis der Staatskonstrukteure, vage schweifende Massen dauernd zu befestigen.

Officina Bodoni

Mit dem Buch „The Nymphs of Fiesole“ hat es eine merkwürdige Bewandtnis. Bibliotheksmäßig war es unter „Boccaccio“ nicht erfaßt, und vielleicht wäre noch viel Zeit bis zu seiner Wiederentdeckung vergangen, hätte sich nicht ein ehemaliger Oxfordstudent in Amerika seiner entsonnen, Er antwortete nämlich auf ein Inserat, das er in der Londoner „Times“ gelesen; in ihm wurde nach einer frühen englischen Übersetzung dieses Boccaccio-Textes gefragt.

Werknotizen großer Plastiker

In der Ausstellung „Plan und Werk“ des Wallraf-Richartz-Museums Köln hängt ein Studienblatt Rodins für das Porträt Victor Hugos, von dessen Entstehung Rainer Maria Rilke in seinem Buch über den Bildhauer berichtet hat: „Für die Figur des Dichters selbst hat Rodin viele Studien gemacht.

Von den Lebenssäften zu Hormonen

In Lindau fand kürzlich unter dem Ehrenprotektorat des Grafen Lennart Bernadotte der 4. Kongreß der Nobelpreisträger statt, der in diesem Jahr wieder der Medizin gewidmet war.

Der alte Mann aus Memmingen

Ein Prozeß zwischen der Spielbank in Lindau und einem Croupier hat das bescheidene Geheimnis eines der Insassen des Altersheims in Memmingen enthüllt.

Ernst Křenek neu vorgestellt

Wie viele Opern, die wert wären, gespielt zu werden, liegen auf dem Friedhof eines Publikumsgeschmacks, der das Überlebende auswählt wie eine Sphinx! Neben der Restauration des Gefälligen zeichnet sich in der Theaterpraxis eine Revision der Brache ab.

Mystik als Zeitkritik

Literaturkritik sei „durch tausend Fäden mit außerästhetischen Disziplinen des Denkens verknüpft“, sagt Hans Egon Holthusen in der Einleitung zu seinem neuen Essayband „Ja und Nein“ (er erschien soeben bei R.

Zum Spielen verführen

Es waren einmal drei Frauen, die waren in drei ganz gleiche Blumen verwandelt und standen draußen auf der Wiese. Nur die eine von ihnen durfte jede Nacht zu ihrem Mann heimkehren.

Die Macht des Brotes

Wenn ein Buch viele und große Vorzüge hat, ist seine schwache Seite weniger schmerzlich. Allerdings verursacht sie bei Heinrich Eduard Jacobs „6000 Jahre Brot“ (Rowohlt Verlag, Hamburg, 502 S.

Aus der Welt der Sklaven

Der brasilianische Roman großen Formats ist bisher in Deutschland noch kaum bekannt. Es gibt ihn, aber seine meist nationalhistorische Themen erfassende Handlung lag unserer Mentalität und unserem Einfühlungsvermögen wohl zu fern.

Berlin: Tatjana gibt Ratschläge

Freundschaftstücher mit den Emblemen des Weltkommunismus schmückten die Schultern der etwa viertausend weiblichen Delegierten, die zwischen Volksbefragung, Tag der Volkspolizei und Tag des Bergmanns von dem Pankower sowjetischen „Deutschen Frauenbund“ zu einem dreitägigen „Gesamtdeutschen“ Frauenkongreß zusammengetrommelt worden waren.

Niedersachsen: Oase der Ruhe in Gefahr

Es gibt in der Bundesrepublik ein Gebiet von 20 000 Hektar, in dem keine Motorfahrzeuge verkehren dürfen. Das ist keine Vision eines vom Straßenlärm terrorisierten Großstädters, sondern eine keine fünfzig Kilometer vor den Toren Hamburgs gelegene schöne, stille Wirklichkeit: der Naturschutzpark in der Lüneburger Heide.

Hessen: Delmontes Intermezzo

Der 47jährige Artist Paul Falk alias Delmonte, der im Juli 1953 den Hohenzollern-Kronschatz stahl, hat jetzt auch den Raubüberfall auf die 80jährige, später verstorbene Gräfinmutter Elisabeth zu Erbach-Fürstenau und ihre 48 jährige Tochter Luise zugegeben, bei dem er am 13.

Halali für Franzosen

Zwischen den Vertretern der Länder der französischen Besatzungszone und dem französischen Hohen Kommissar ist ein Jagdabkommen unterzeichnet worden, das am 1.

Rheinland-Pfalz: Die V2 ist heimgekehrt

Endlich ist es so weit: die Amerikaner haben uns unsere „V2“ zurückgebracht. Nach 1945 hatten die USA die Konstruktionsidee der V-Waffen und die deutschen Konstrukteure über den Atlantik geholt.

Bremen: Junge Gäste aus USA

Die größte amerikanische Schülergruppe, die bisher geschlossen aus den USA ins Ausland reiste, traf dieser Tage, betreut von dem American Field Service (AFS) in Bremen ein, um von hier aus zu ihren Gasteltern und „Brieffreundschaften“ in allen Teilen der Bundesrepublik zu fahren.

Kautschukindustrie hat Sorgen

Westdeutschlands Kautschukindustrie hat erhebliche Sorgen, weil sich die Basis der Weltkautschukindustrie noch immer nicht stabilisiert hat.

Schokoladenwirbel

Die als Folge der auf dem Weltmarkt anziehenden Kakaopreise vorgenommenen Preiserhöhungen innerhalb der westdeutschen Schokoladenindustrie haben zu einer recht unterschiedlichen Preisgestaltung geführt.

Der Weg wird frei

In interministeriellen Besprechungen scheint man jetzt in Bonn übereingekommen zu sein, den Typ des 5prozentigen Sozial-Pfandbriefes in Fortfall kommen zu lassen.

Bier schäumt wieder gut

Wenn auch nicht daran zu zweifeln ist, daß dieBilanzen der deutschen Braubetriebe, soweit sie als Aktiengesellschaften geführt werden, mehr oder weniger stark die Verschuldung und die Schwierigkeiten einer Konsolidierung erkennen lassen, so darf doch für die gesamte Brauwirtschaft gesagt werden: das Bier schäumt wieder gut.

Zweckpessimismus

Den vielfachen Unkenrufen, daß nach sechs Jahren Aufstieg in der Wirtschaft der Bundesrepublik ein Rückschlag erwartet werden müsse, hat Prof Erhard in der vergangenen Woche in Stuttgart einen massiven Optimismus entgegengesetzt.

Rohstofftendenz der Woche

Während der Berichtswoche festigten sich vor allem dieZinn-, Kautschuk- und Kakaonotierungen. Der Zinnmarkt war von der Unterzeichnung des Internationalen Zinnabkommens durch eine ausreichende Anzahl von Erzeuger- und Verbraucherländern beeinflußt.

Standardpapiere überschritten Höchstkurse

Als in den ersten beiden Tagen des neuen Monats von Bankenseite hohe Beträge auf den Aktienmarkt geworfen wurden und die Käuferseite kaum noch den Mund zu öffnen wagte, schien die Börsenhausse zu einem gewissen Abschluß gekommen zu sein.

Hohe Investitionen bei Rheinpreußen

Die Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie, Homberg/Niederrhein, die für 1953 eine auf 6 v. H. (i. V. 5) erhöhte Dividende vorschlägt, blieb im Berichtsjahr nur unwesentlich unter der Vorjahresförderung von 5,2 Mill.

Kapitalmarktgesetze in Österreich

Für eine Reihe von Gesetzen, die endlich die Neuordnung des Kapitalmarktes in Österreich bewirken sollen, sind jetzt in rascher Folge von der Regierung die Entwürfe vorgelegt worden, darunter auch die seit Jahren erwartete Norm zur Entschädigung der Aktionäre verstaatlichter Unternehmen.

Weiter ohne Befähigungsnachweis

Am vorletzten Junisonntag haben die Schweizer mit erdrückender Mehrheit – 379 770 Nein gegen nur 187 523 Ja – ein Gesetz verworfen, das vom Bundesrat, von beiden Kammern und den großen Parteien empfohlen worden war: den „Bundesbeschluß über die Einführung des Fähigkeitsausweises im Schuhmacher-, Coiffeur-, Sattler- und Wagnergewerbe“.

Auch auf deutschen Schiffen...

In vielen anderen Ländern gibt es noch einen – oft sogar recht unerfreulich wirkenden – wirtschaftlichen Nationalismus. Bei uns hat eine derartige Einstellung nicht mehr viel Kurswert, und Slogans, wie „buy British“ (oder „American“), würden, in entsprechender Abwandlung, heute wenig Resonanz finden.

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