Nicht nur die Vorstellung von Bayern als Agrarstaat mußte in den letzten Jahren revidiert werden, auch der Ruf Bayerns als Land der Biertrinker hält nicht mehr das, was er einst versprach. Während auf der einen Seite die Industrialisierung immer bessere Fortschritte macht, beklagt die Brauwirtschaft, daß es den bayerischen Brauereien – im Gegensatz zu den nordwestdeutschen Braustätten – noch nicht gelungen ist, die Friedensausstoßzahlen zu erreichen. So liegt der Absatz der bayerischen Brauereien, wohl besonders auf Grund der Einkommensverhältnisse, erst bei 80 v. H. des Vorkriegsausstoßes, während z. B. die Dortmunder Brauereien 100 v. H. ihrer Friedenslieferungen und darüber erreichten. Im Pro-Kopf-Verbrauch – hier kam Bayern 1953 erst auf 60,77 v. H. des Friedensverbrauches gegenüber 82,35 v.H. im Bundesdurchschnitt – sind die Bayern von der dritten Stelle im Bundesgebiet an die zehnte Stelle zurückgefallen...

Gleichwohl sind die bayerischen Bierpreise die niedrigsten im Bundesgebiet. Auf Grund der bundeseinheitlichen Regelung der Bier- und Umsatzsteuer enthalten sie jedoch die gleichen Steuersätze wie in den anderen Bundesländern. Die Folge davon ist, daß in Bayern z. B. bei dunklem Faßvollbier, das den Hauptanteil des Absatzes bildet, rund 25 v. H. an Bier- und Umsatzsteuer an den Staat abzuführen sind, während in Nordrhein-Westfalen überwiegend teure Spezialbiere verkauft werden. Vorstandsmitglied Dr. Ernst Sedlmayr von der Spaten-Franziskaner-Bräu AG, München, hat anläßlich der HV der Gesellschaft diese Situation beleuchtet. Da die bayerische Bierpreispolitik allein der Kaufkraft in Bayern nicht Rechnung tragen könne und eine Herabsetzung der Brauereipreise untragbar wäre, fordert er eine Senkung oder, ähnlich wie bei der Umsatzsteuer, eine variable Biersteuer, die den verschiedenen Bierpreisen in den einzelnen Ländern anzupassen sei.

Diese Forderung hat bei dem politischen Gewicht des Bierpreises in Bayern einiges für sich. Sie darf aber nicht nur der Überlegung Rechnung tragen, die trotz gebesserter Rohstoffeinkaufmöglichkeiten gestiegenen Herstellungskosten der Brauereien auszugleichen; nur eine Bierpreissenkung, die auch dem Verbraucher zugute kommt, dürfte gerade bei den zitierten Einkommensverhältnissen in Bayern das beste Mittel sein, um den Bierverbrauch wirksam zu steigern. t. r.