Ein Standardwerk über den Aufstand

Weder den Autor noch den Verlag, den man in Aussicht genommen habe, könne er heute bereits nennen – so sagte, mir ein Buchmanuskript übergebend, der Freund am Ende einer langen abendlichen Unterhaltung, bei der immer wieder von jener Zeit die Rede gewesen war, die wir in Polen und Frankreich mit dem Quartiermeister „unserer“ Division gemeinsam erlebt hatten: mit Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Die folgende Nacht nun, zugebracht im bergisch-märkischen Lande, unter dem Dach eines alten Bürgerhauses, an dem die Schieferplatten im Märzwind klapperten, brachte beim Lesen des Manuskripts jene große Verzauberung, in der das Vergangene wieder heraufkommt, die Toten gegenwärtig sind... Carlo Mierendorff, Theo Haubach, Julius Leber, Adolf Reichwein, dazu die Männer des Kreisauer Kreises – und so viele andere, Kommandeure und Generäle zumeist, die damals die Chance hatten (und verspielten), das Geschick zu wenden und die Unsterblichkeit zu gewinnen.

Das Buch, das in jener Nacht den einsamen Leser faszinierte, ist nun schon in zweiter Auflage erschienen:

Eberhard Zeller, „Geist der Freiheit“ (Der zwanzigste Juli 1944) (Verlag Hermann Rinn, Münden, 395 S., Leinen 15,80 DM).

Es ist die exakte, bewunderswert saubere Arbeit eines Mannes, der sämtliche verfügbaren Quellen nun freilich nicht bloß studiert und sie (in einem über hundert Seiten, gehenden Anhang) registriert, sondern sie auch ausgewertet hat – dies „Auswerten“ im wortwörtlichen Sinne verstanden. Wie das geschehen ist, das verdient nun freilich mehr als nur Lob. Denn hier war einer am Werk, dem die große Gabe verliehen ist, die Menschen mit rechtem Maße zu messen. Er spart nicht mit Bewunderung für die Helden seiner Historie – wie großartig steht das Bild des Generalstabschefs Ludwig Beck am Anfang der Gesamtdarstellung! Und er zeigt gegenüber jenen zwielichtigen Figuren – die er ja auch darzustellen hat mit ihrem Anteil an dem Geschehen von damals – eine so messerscharf schneidende Objektivität, daß er da auf jedes abschätzige und verächtliche Wort der Charakteristik verachten kann. – Das Buch wird Bestand haben; jeder neue Versuch, den Widerstand gegen Hitler exakt und mit den Mitteln der Geschichtsforschung darzustellen, wird an das anknüpfen müssen, was Zeller geschrieben hat. E. T.