Als die fliegende Untertasse zur Landung ansetzte – merkwürdigerweise gleichzeitig vor dem Völkerbundpalast, dem UN-Gebäude, dem Capitol, dem Kreml, in der Koblenzer Straße zu Bonn, mitten in der Mall, auf der Spitze des Eiffelturmes und aus Gründen des Föderalismus auch vor dem Amtssitz des bayerischen Landtagspräsidenten; woraus allein man schloß, daß es sich entweder um eine weitverzweigte Fata Morgana oder einfach um mehrere Fahrzeuge handeln müsse –, da hielt die gesamte Menschheit, die Politiker zuerst, den Atem an. Als aber aus der Untertasse deutlich erkennbare Zeichen des Friedens und der Freundschaft gegeben wurden, sagte man sich: „Na ja, die werden wir schon klein kriegen!“

Es geschah, daß der diplomatische Vertreter eines anderen Sonnensystems, der als einziger das schimmernde Gehäuse der Untertasse verließ, etwas Zeit gewann, um sich in Ruhe umzuschauen, weil immerhin noch dringende Fragen des Protokolls zu besprechen waren. Der Fremde sah so ähnlich aus, wie wir uns heute einsame Gralsritter vorstellen würden. Blinzelnd stand er in der Sonne, das heißt: er hatte natürlich nicht überall Sonne.

In Paris blieben seine Augen wohlgefällig auf den jungen Damen haften, die schäkernd um ihn herumflanierten. In Bonn starrte er tiefsinnig in den Rhein und murmelte: „So breit ist er ja gar nicht!“ In den USA begab er sich sogleich zum Golfplatz, um den Präsidenten während seiner Tätigkeit zu fragen, wieviel Löcher er schon hinter sich habe. An anderer Stelle stöhnte er: „Dieser Londoner Nebel! Kein Wunder, daß Margaret Rose keinen Mann finden kann!“

Dann war es aber vorbei mit dem stillen Staunen, denn die Begrüßungsabordnungen erschienen. Übrigens verstand der Fremde jede Sprache, da er einen Sprachenmodulator umgehängt trug. Bevor noch eine Tagesordnung vereinbart werden konnte, waren sich die globalen Politiker darüber einig, jedenfalls die irdische Verwendung des Sprachenmodulators zu boykottieren; denn es schien ihnen doch zu gefährlich, wenn sich die Völker ungehindert gegenseitig hätten verständigen können.

Und dann begann das Tamtam. Haifischschnäuzige Jets und trächtige Superbomber brausten über den einsamen Besucher. Atomkanonen schwenkten auf ihren Fahrlafetten paradierend vorbei und wurden von Panzerwalzen abgelöst. Die Erde dröhnte, aber dieses Mal im Takt des Parademarsches. Man war allgemein der Ansicht, dies sei das beste Bild, das man dem Fremden als ersten Eindruck vermitteln könne.

Dann prasselte es auf ihn ein: Verdrehungen, Übertreibungen und Lügen von allen Seiten! Wir haben! Wir sind! Wir werden!

Die höchsten Häuser, die tiefsten Keller, die nacktesten Frauen, die dümmsten Untertanen, die beste Währung, der automatischste Mensch, die menschlichste Maschine! Bazillenkrieg gegen Empörer! Atomfrieden für alle Provinzen! Na ja! Eben das Übliche.