Ludwigsburg ist eine Art schwäbisches Versailles und feiert in diesem Jahr sein erst 250jähriges Bestehen als eine Schöpfung des landesfürstlichen Absolutismus im 18. Jahrhundert. Einer der wahrhaft unsympathischen Gestalten damaliger Zeit, dem Herzog Carl Eugen, verdankt diese Stadt vor allem das prunkhafte Schloß, in dem sich zum großen Teil die Veranstaltungen der Deutschen Mozart-Gesellschaft und ihres dritten Mozartfestes abspielten: im Ordenssaal die Eröffnungsfeier und die Kammermusiken, im wiederhergestellten sehr reizvollen barocken Schloßtheater die Aufführung des „Titus“, im Schloßhof die Serenaden, in der Schloßkirche die geistliche Musik. Heute ist durch die Musik Mozarts ein verklärter Ort, was ehemals unter der Knute eines Despoten entstand, der sich Soldaten hielt, um sie an fremde Mächte zu verkaufen, und auf Kosten seiner Untertanen eine Verschwendung trieb, die selbst am viel reicheren französischen Hof kaum ihresgleichen hatte. Aber wer denkt noch daran? Wer empfindet noch Unbehagen, wenn in diesen Räumen die ihnen gemäße Musik erklingt? Wir wagen nicht zu behaupten, daß das dritte deutsche Mozartfest ein zentrales musikalisches Ereignis war, aber es war ein festliches, das auch selten gehörte Werke des Meisters bot, sogleich bei der Eröffnungsfeier im Ordenssaal des Schlosses das Adagio in B-dur für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner (KV 411), und das Trio in Es-dur für Klavier, Klarinette und Viola (KV 498). Der Wert der kammermusikalischen Darbietungen war durch die Mitwirkung des Stuttgarter Kammerorchesters (Münchinger), des Münchener Kammerorchesters (Christoph Stepp) und des Koeckert-Quartetts bestimmt. Das einzige große Symphoniekonzert mußte leider in der nicht sehr geeigneten Ludwigsburger Stadthalle stattfinden. In seinem Mittelpunkt stand das Violinkonzert A-dur, das Arthur Grumieux, Brüssel, mit dem Symphonieorchester des Süddeutschen Rundfunks unter Generalmusikdirektor Hans Müller-Kray bezwingend formklar und überlegen vortrug.

Das Hauptereignis des Festes war jedoch ein Gastspiel der Stuttgarter Staatsoper mit Mozarts letztem Werk „Titus“, eine Aufführung für Liebhaber in einem Theaterraum für solche. Hier durfte man vergessen, daß der „Titus“ als Repertoirewerk niemals wird bestehen können, hier konnte man sich über die Mängel des Librettos und die Leblosigkeit der Figuren hinwegsetzen. Ein Abglanz nur, doch immer noch ein Glanz der Schöpferkraft seines Komponisten liegt über diesem Werk, das Mozarts Fülle und Reife zur Voraussetzung hat. Man vergaß der „opera seria“, für die ja auch die Maße des kleinen Theaters nicht gereicht hätten. Kurt Puhlmanns auf Bild und Bewegung gestellte Regie und Gerd Richters klassizistische Dekorationen unterstützten nur die musikalischen Werte der Aufführung unter Josef Dünnwalds Stabführung, die sich Nummer für Nummer Beifall errangen. Im Konzert der Stimmen überragten Josef Traxels lyrischer Tenor in der Titelpartie, Lore Wißmanns dramatische Vitellia und vor allem Ira Malaniuks strahlender Alt in der Partie des Sextus.

Alles in allem dürfte die Deutsche Mozart-Gesellschaft sich mit ihrem dritten Fest, das unter dem Protektorat des Bundespräsidenten stand und seiner Organisation dem verdienstvollen Gründer und Leiter der Ludwigsburger Mozartgemeinde und der Schloßkonzerte, Wilhelm Krämer, verdankt viele neue Freunde gewonnen haben. Oskar Jancke