Nach dem Sieg der deutschen Fußballmannschaft über die österreichische in der Vorschlußrunde der Weltmeisterschaften hatte der Sprecher des sogenannten „Deutschlandsenders“ in Ostberlin kommentiert: „Diesmal war das Glück auf Seite der Westdeutschen, aber am Sonntag werden unsere volksdemokratischen Freunde aus Ungarn den Westdeutschen schon zeigen, was eine Harke ist.“ In Grünau, der Zentrale des Sowjetzonenfunks, durfte man infolgedessen am Tage des Endspiels keine Freude über den deutschen Sieg äußern. Während bei uns die Millionen am Lautsprecher und an den Fernsehgeräten (diese hatten vor dem Wochenende eine Verkaufshausse erlebt wie nie zuvor) den Verlauf des Spiels mit pochendem Herzen verfolgten und aufjubelten, als das entscheidende Tor fiel, erfuhren die Hörer der drei sowjetzonalen Programme nur kurz den Ausgang des Spieles. Solche Ereignisse bringen es an den Tag: jenseits des Eisernen Vorhangs redet der Funk ins Leere. Denn wer kann Leuten ihre nationalen Phrasen glauben, die bei einem sportlichen Wettkampf eine deutsche Niederlage wünschen müssen?

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Beim Leipziger Kirchentag war ganz Deutschland repräsentiert – und auch hier schaltete sich der Sowjetzonenfunk weisungsgemäß aus der Öffentlichkeit aus und tat, als ob diese so imponierende Zusammenkunft von evangelischen Menschen aller deutschen Länder keiner besonderen Aufmerksamkeit wert sei. Wer von den Bewohnern der Sowjetzone etwas Wesentliches über die Leipziger Ereignisse erfahren wollte, mußte einen der verpönten „westdeutschen“ Sender einschalten. Für diese hatte der Sender Freies Berlin die Berichterstattung übernommen und gab damit zum erstenmal zu erkennen, welche Bedeutung seine Arbeit für ganz Deutschland haben kann. Seine Tongeräte nahmen die Ansprachen und Diskussionsreden auf; dann wurden die Bänder im Wagen nach Berlin gebracht und Vom Funkhaus am Heidelberger Platz aus an die Sendestationen der Bundesrepublik „überspielt“. So ein umständliches Verfahren ist nötig, wenn man ganz Deutschland von Vorgängen informieren will, an denen Menschen aus ganz Deutschland teilnahmen! Doch immerhin: schon das war ein Ereignis, daß überhaupt Leipziger Kirchenglocken bei uns gehört werden konnten, und daß man spüren konnte, wie die versammelten Hunderttausend die tapferen und festen Worte des Kirchentagspräsidenten v. Thadden-Trieglaff als innere Kräftigung aufnahmen. So unmittelbar kann der Funk nur an seinen großen Tagen zeigen, daß es etwas gibt, das höher steht als politische und konfessionelle Differenzen: der Mut von Menschen, die bereit sind, nach dem Evangelium zu leben.

Wir werden sehen:

Sonnabend, 17. Juli, 15.00 vom NWDR: Aus der Festhalle am Berliner Funkturm wird die Bundespräsidentenwahl übertragen.

Wir werden hören:

Donnerstag, 15. Juli, 20.15 vom NWDR: