s. n. Winsen/Luhe

Annähernd hundert Krankenbefunde von Geschlechtskranken mit vollständigem Namen und Adresse, Art der Krankheit und Ansteckungsquelle, sowie dem Dienststempel des Staatlichen Gesundheitsamtes in Winsen/Luhe wurden von einem Eisenbahner auf dem Schuttabladeplatz in der Nähe des Winsener Bahnhofsgeländes gefunden. Es waren Befunde aus den Jahren 1946/49, die als vertrauliche Unterlagen des Gesundheitsamtes besonders sorgfältig aufzubewahren waren.

Das 1944 in Harburg ausgebombte Gesundheitsamt des Kreises Harburg war in Winsen völlig unzulänglich untergebracht worden. Die Akten hatte man in einer schon morschen Baracke neben dem „Amtsgebäude“ in Regalen und gebündelt auf Tischen liegend „verwahrt“. Im gleichen Raum lag auch ein Berg Abfallpapier. Beim Umzug des Amtes in ein neues Haus im Oktober 1952 hatte, man diesen Papierberg nicht weiter beachtet. Die Baracke hatte ein Vulkaniseur gekauft, der das vorgefundene „Altpapier“ in Säcke stopfen ließ. Im Winter 1953/54 wurde einer dieser Säcke als Kälteschutz vor ein Kellerfenster gelegt. Der Inhalt dieses Papiersackes landete im Frühjahr 1954, weil er feucht geworden war und als Brennpapier nicht mehr verwendbar, auf dem Schuttplatz. Daß sich Krankenbefunde dazwischen befanden, hatte bis dahin kein Mensch geahnt. Auf Grund der peinlichen Entdeckung hatte man nun auch den zweiten Papiersack beschlagnahmt und auch darin noch Krankenbefunde ermittelt. Diese wurden nun wieder, ordnungsgemäß „zu den Akten gelegt“.