Ich stehe und warte auf den Autobus, und während ich mich umschaue, sehe ich ein Plakat. Darauf singt ein Straßensänger und dreht dabei eine’Drehorgel, während sich oben in einem Fenster ein Liebespaar küßt und Vögelchen, die in einer zerbrochenen Laterne wohnen, Noten singend herumfliegen. Es ist von Peynet, und ich denke: „das möcht’ ich haben“, und merke mir den Drucker, der das entzückende Ding gedruckt hat. Zu dem, beschließe ich, will ich zuerst einmal gehen. Vielleicht gibt er mir eins.

Ich klettere in die Metro und reise, mit Umsteigen, in einunddreißig Minuten zur Place Saint-Michel und wandere, nicht weit davon, zu Monsieur Drivon, Imprimerie, in der Rue du chat qui pêche. Die Straße ist alt und eng und von malerischer Wildheit, eine enge Gasse führt zur Druckerei, erste Tür rechts. Ja. Dort wird gedruckt. Ein junges Mädchen will mich zum patron führen, der sei im Laden, ganz in der Nähe. Freundlich geleitet sie mich hin, nur schüttet gerade jemand aus einem Fenster über uns ein Gefäß mit Flüssigkeit aus. Wir schlüpfen gerade noch darunter weg.

Monsieur ist in seinem Laden und kommt auch gleich herbei – ein höflicher, liebenswürdiger älterer Herr. Ein Plakat? – Welches? – Ich beginne: „Ein Mann ist drauf, mit einer“ – ich drehe mit der Hand dazu. „Ah!“ ruft Monsieur, „Alein Delbo! Dieses hier, nicht wahr?“ – Ja. Das war’s. – Aber – Monsieur bedauert unendlich – er darf es mir nicht geben. Es gehört ihm nicht mehr, es gehört Monsieur Alein Delbo. – „Wo aber“, frage ich, „finde ich Alein Delbo?“ – „Oh, im Theater. Villa d’Este.“

„Und wo ist Villa d’Este?“

Monsieur und Madame holen das ganz dicke Telephonbuch herbei und suchen. „Hier. Das ist’s. Etoile. Jeden Abend singt dort Alan Delbo ab 11 Uhr.“

Wo er denn privat wohne? frage ich (ich habe keine große Lust zur Villa d’Este nachts halb zwölf Uhr). Monsieur leuchtet auf: „Ah, ganz einfach. Gehen Sie zu Monsieur Cloissard, der weiß seine Adresse sicher. Er wohnt ganz nah. Um die Ecke. In dem kleinen Theater, rechts im Hinterhaus, zweite Tür...“

Madame erbarmt sich und sagt freundlich: „Kommen Sie. Ich führe Sie hin“, und sie nimmt ihren Schal um und läuft neben mir durch einige Straßen, und um die Ecke und um die nächste und schlüpft in ein ur-uraltes Haus. „Monsieur Cloissard? – Au telephone .. Ja, da drinnen steht er und telephoniert. Er unterbricht sich aber sofort und kommt heraus. Madame erklärt: „Wir suchen die Privatadresse von Alein Delbo.“ Monsieur Cloissard bedauert, die wisse nur Philippe, und der sei eben fortgegangen – vor fünf Minuten... Er schaut besorgt auf die Straße, sein Gesicht umwölkt sich. „Nein, Er ist schon fort. Aber...“ strahlt er, „gehen Sie ‚Au Petit Bachus‘, am Quai – die zweite kleine Bar rechts. Dort kennt man Alein, dort singt er täglich. Fragen Sie dort.“