Am 15. und 20. Juli halten die vier großen Nachfolgeunternehmen der IG-Farbenindustrie AG nach etwa zehnjähriger Pause ihre ersten Hauptversammlungen ab. Die Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen, die Badische Anilin-Sodafabrik AG, Ludwigshafen, die Farbwerke Hoechst AG, Frankfurt, und die Cassella Werke Mainkur AG, Frankfurt, sind die großen Traditionsträger der IG geworden. Hinter ihnen stehen über 150 000 Aktionäre. Die Verwaltungen rechnen mit sehr stark besuchten Hauptversammlungen. Die Erwartungen gehen bis zu einer Versammlungsstärke von etwa 1000 Menschen, womit der bisherige HV-Rekordbesuch eines von den Alliierten „betreuten“ Unternehmens – nämlich Mannesmann – in etwa erreicht werden würde.

Eine derartig starke Anteilnahme der Aktionäre an ihren Gesellschaften ist sehr erfreulich und sollte von der Verwaltung behutsam und mit Verständnis gesteuert werden. Die Aktie wird nicht allein dadurch populär, daß sie eine gute Dividende bekommt und die Kurse keinen allzu großen spekulativen Schwankungen ausgesetzt werden, sondern auch durch die berichterstattende Publizität und den persönlichen Kontakt zwischen Aktionär und Verwaltung.

Was die Publizität angeht, so sind die großen IG-Nachfolger sicherlich nicht zu tadeln, Sie gehören sogar in die noch nicht allzu große Reihe beispielhafter Firmen. Aber das Bisherige reicht für die Zukunft nicht aus. Einige der IG-Nachfolger werden im Verlauf der nächsten zwei Jahre sicherlich an den Aktienmarkt herantreten wollen, um neue Emissionen zur Sicherung der Investitionsvorhaben aufzulegen. Der Sparer wird angesprochen werden. Und der Sparer wird antworten, entsprechend der Kentnis der Situation der Unternehmen. Vielleicht sollten sich die Verwaltungen auch überlegen, ob sie nicht bis dahin ihre im Grunde genommen doch goldumränderten Aktien auch an einer der New Yorker Börsen zum Handel bringen könnten, was die international gesicherte Stellung der deutschen Groß-Chemie nur Unterstreichen würde. Was aus Holland AKU und Royal Dutch in jüngster Zeit auf diesem Gebiete vorexerziert haben, dürfte auch für die deutsche Groß-Chemie nachzuahmen nicht allzu schwer sein...

Kenner der New Yorker Börse meinen, daß deutsche Chemiepapiere ein günstiges Echo finden würden. Man ist jenseits des großen Teiches zwar weniger für Kohle- oder Eisenaktien aufgeschlossen, Chemiepapiere würden aber leicht zu placieren sein. Ein guter Kundendienst, auch dem Aktionär gegenüber, hat sich immer bewährt. Rlt.