In der Londoner Picture Post regt sich ein Mr. Fishman darüber auf, daß Großadmiral Dönitz, der im nächsten Jahr seine zehnjährige Zuchthausstrafe in Spandau verbüßt haben wird, in absehbarer Zeit freigelassen werden muß. „Ist dieser Mann gefährlich?“ fragt Fishman und beantwortet diese Frage eilfertig mit ja, ja, ja. Dönitz habe „Geheimbriefe“ an seine Frau geschrieben und darin die Absicht geäußert, wieder eine politische Rolle zu spielen. Seine Frau habe zu Fishman gesagt, Dönitz habe das Recht, den höchsten Platz im Lande einzunehmen, und auch die Naumann-Gruppe habe seinerzeit ihn zum Staatsoberhaupt ausersehen. In Wirklichkeit hat Frau Dönitz nichts dergleichen gesagt, die angeblichen Geheimbriefe konnte Herr Fishman dem Verteidiger Dr. Kranzbühler auf Verlangen nicht vorweisen, Und die Pläne der Naumann-Gruppe, auf die sich Fishman beruft, sind nirgends bestätigt und können, selbst wenn sie wahr wären, nicht dem in Spandau eingesperrten Dönitz zur Last gelegt werden. Bemerkenswert ist daher nicht der Inhalt des Artikels in der Picture Post, sondern seine Tendenz. Wahrscheinlich gehört die Aktion des Mr. Fishman zu der Propagandawoge, die jetzt in Westeuropa, leider auch in England, gegen die gleichberechtigte Wiederkehr Deutschlands in die Familie der freien Nationen und gegen die Europäische Verteidigungsgemeinschaft in Gang gebracht wurde und die nur der Sowjetunion und ihren Freunden dient. W.