Die jüngste Gebührenerhöhung der Post – sie trat am 1. Juli verhältnismäßig kurzfristig in Kraft – hat unserer Wirtschaft nicht nur die mit der Gebührenanhebung verbundene finanzielle Belastung gebracht, sie hat auch dazu geführt, daß der Monopolbetrieb „Deutsche Bundespost“ seinen Zwangskunden eine erhebliche Mehrarbeit oktroyierte: am Tage der Gebührenerhöhung waren bei keinem deutschen Postamt die zum Freimachen von Drucksachen bis zu einem Gewicht von 20 g jetzt erforderlichen 7-Pfennig-Briefmarken vorhanden. Auch heute gibt es solche Briefmarken noch nicht – „denn bei der Post geht’s nicht so schnell...“ –, und der staatliche Monopolbetrieb vertröstet seine Abnehmer auf Ende Juli und „wahrscheinlich sogar noch später“. Welcher Privatbetrieb, so ist man versucht zu fragen, würde es sich leisten können, seinen Kunden eine derartige Rücksichtslosigkeit zuzumuten?

Das es bei unserer Post – deren Zuverlässigkeit und Findigkeit alle Anerkennung verdient – im Zeitalter der Rationalisierung grundsätzlich nicht so schnell geht, beweist leider auch eine Reihe von Feststellungen, die der aufmerksame Postkunde Tag für Tag an jedem Postschalter zwischen Flensburg und Bad Reichenhall machen kann. Hinter den oftmals schon recht modernen Schaltern geht alles noch seinen alten und umständlichen Gang: aus dicken Wälzern werden mühevoll und zeitraubend einzelne Briefmarken zum Verkauf herausgesucht, Formulare in Hülle und Fülle ausgefüllt und handschriftlich von dem Beamten abgezeichnet, lange Einnahmelisten addiert und die Summen dann wieder vorgetragen. In gewohnter Tradition dürfen die geduldigen Kunden vor den Schaltern Schlange stehen. Alles in allem ein Betrieb, wie er umständlicher und zeitraubender kaum denkbar ist...

Warum setzt man hier nicht endlich mit einer Rationalisierung ein? Warum verlegt man den kostspieligen (weil zeitraubenden) Kleinverkauf von Briefmarken nicht überhaupt in Papierwarengeschäfte? Warum vereinfacht man die Gebührensätze nicht so, daß auch das alte Mütterlein auf einer im Schaltervorraum aufgestellten Waage in der Lage ist, ihre Postsendung von selbst richtig zu frankieren. Warum schafft man z. B. bei Zahlkarten für Beträge bis zu 100 DM nicht eine feste Gebühr, die als Wertmarke bereits aufgedruckt ist? Warum stellt man sich nicht endlich auf Buchungsmaschinen um? – Diese Wunschliste könnte ohne Schwierigkeiten beliebig verlängert werden, und man soll uns nicht mit der Antwort kommen, daß die schlechte Kassenlage der Bundespost solche Umstellungen verbietet.

Derartige Rationalisierungen müssen durchaus nicht viel kosten. Die Schwierigkeit wird wohl in der Hauptsache darin liegen, daß es Überwindung kostet, endlich einmal mit dem „alten Zopf“ Schluß – zu machen. Anfangserfolge sollen lobend anerkannt werden: Formulare, die die Fernsprechämter ihren Kunden bisher ohne jede Anrede vorgedruckt in den Briefkasten werfen ließen, tragen jetzt einen (auf Kosten eben dieser Kunden hergestellten) Stempel mit den versöhnlichen Worten: „Sehr geehrter Fernsprechteilnehmer.“ Ist das nicht schon ein Lichtblick? Willy Wenzke