Das Herz aller Dinge“. Seit dem „Dritten Mann“ ist es heraus, daß ganze Passagen aus Graham Greenes Büchern wie Regieanweisungen in Filmbilder übertragen werden können, und auch die Dialoge kann man getrost wörtlich übernehmen. In dem englischen Film „Das Herz aller Dinge“, nach dem gleichnamigen Roman (Urania, Hamburg, und andere Städte der Bundesrepublik), ist es überwältigend gelungen, die von Greene geschilderte Tücke des mörderischen Klimas der Tropen an der westafrikanischen Küste, die Trostlosigkeit, die fiebrige Hitze und Hysterie, im Kino gegenwärtig zu machen, mehr als es Worte je vermögen. Aber dennoch erhebt sich die Frage, ob es ratsam, ob es zu verantworten ist, daß ein zweiffellos so gut gemeinter und mit Anstand, Mühe und Können gedrehter Film sich an dieses Thema heranwagen durfte, diese Tragödie eines Mannes, der sein Verantwortungsbewußtsein langsam tötet und mit seiner Religion in Konflikt gerät. Graham Greene, der den Stoff so gefährlich zwischen Kintopp und Kirche ansiedelte und Polizisten, Agenten, Gauner und Priester und ein paar nicht ganz so deutlich abgestempelte Frauen und Neger durcheinander mischt, hat mit beredten Worten sehr viel unbegrenztere Möglichkeiten der Darstellung als der Film in diesen wenigen, wenn auch ausgezeichneten Bildern, die möglichst allgemein verständlich sein und möglichst nicht viel Anstrengung von den Zuschauern fordern wollen.

Es wird also nicht nur gefährlich vereinfacht und begütigend verwässert durch Weglassen, sondern durch Wegputzen mancher Konflikte. Nichts ist so kraß, so genau, so deutlich wie bei Greene. Es wird eine positivere, weniger aggressive Einstellung gewählt, der Schluß verbogen. Major Scobie geht nicht an sich selbst zugrunde und endet nicht durch Selbstmord, der für ihn eine Todsünde ist. Er stirbt in Pflichterfüllung, bei Ausübung seines Dienstes. Sein Boy Ali wird nicht sein Opfer, sondern hockt als die verkörperte Treue an der Leiche seines Herrn. Das Gute also diesmal paradoxerweise in – von Natur aus – schwarzer Gestalt, während doch bei der üblichen simplen Alternative das Gute immer licht erscheint. Liebe und Leidenschaft werden in banalen Sätzen abgehandelt, die zwar von Graham Greene stammen, aber in ihrem Sinn gestört sind, da die Nachsätze fehlen.

Dieser Film, in dem Bemühen, taktvoll zu sein, kann auch nur peinlich oberflächliche Gespräche zwischen Gläubigen und Heiden – gleich welcher Hautfarbe – heraufbeschwören, während in den dazu gezeigten Bildern die Kamera scheu beiseite zielt. Die Argumente reichen nicht, um das Gewissen der Zuschauer zu schärfen.

Unter den großartigen Schauspielern ist Trevor Howard der bedeutendste als Scobie, dessen Persönlichkeit man im Laufe der Bildfolge förmlich zerbröckeln sieht. Maria Schell als schiffbrüchige Emigrantin der Kriegstage von 1942 ist die schwächste gerade in jenen Szenen hysterischer Entäußerung, die sonst ihre Stärke sind. E. M.