RS Bonn, im Juli

Die schwerumkämpfte Frage des Ladenschlusses, die im vergangenen Jahr in München sogar zu Massendemonstrationen und Prügeleien geführt hatte, geht jetzt ihrer Regelung entgegen. Der Arbeitsminister hat seinen Gesetzentwurf bereits dem Bundeskanzleramt vorgelegt, doch ist der Bundeswirtschaftsminister mit den darin enthaltenen Vorschlägen nicht einverstanden. Eine Einigung zwischen den Sozialpartnern herbeizuführen, ist dem Arbeitsminister nicht gelungen. In seinem Entwurf schlägt er vor, daß der Ladenschluß am Mittwoch auf 13 Uhr festgesetzt wird, so daß die Angestellten der Läden einen freien Mittwochnachmittag hätten. Der Mittwoch ist erfahrungsgemäß im allgemeinen der umsatzschwächste Tag.

Die Gewerkschaften, und zwar sowohl DGB wie DAG, verlangen den freien Samstagnachmittag, damit die Angestellten ein möglichst langes zusammenhängendes freies Wochenende haben. Nun ist aber gerade am Samstagnachmittag in sehr vielen Einzelhandelsgeschäften der Umsatz besonders hoch, nicht nur dort, wo die Landbevölkerung an diesem Tage in die Stadt einkaufen kommt. Viele Familien haben nur am Samstagnachmittag Gelegenheit zu gemeinsamen Einkäufen. Die Anregung, den Montagvormittag freizugeben, fand nicht die Zustimmung der Gewerkschaften.

Professor Erhard, kein Freund der deutschen Reglementiersucht und stark beeindruckt von den amerikanischen Verhältnissen, lehnt einen „geschlossenen Nachmittag“ ab. Er möchte, daß die Geschäfte an jedem Wochentagsnachmittag offengehalten werden, daß aber den Angestellten einmal in der Woche, je nach der geschäftlichen Möglichkeit, ein Nachmittag freigegeben wird. Das ist etwa auch der Standpunkt der Arbeitgeberverbände. In den größeren Geschäften besteht eine solche Regelung zum Teil bereits seit längerer Zeit. Erhard meint, man könnte durch die Einführung von Arbeitszeitbüchern eine Kontrolle für die Einhaltung des freien Nachmittags schaffen. Er möchte den Ladenschluß freigeben. Er verspricht sich davon eine wirtschaftliche Stärkung für die kleineren, mittelständischen Ladeninhaber. Familienbetriebe könnten dann, so meint er, ihre Läden etwa bis 19 Uhr offenhalten, die großen Geschäfte würden um 18 Uhr schließen. Wir fürchten freilich, daß in dieser Rechnung der doch sehr starke Konkurrenzkampf nicht genügend berücksichtigt ist. Es ist kaum vorstellbar, daß einem wenn auch noch so kleinen Konkurrenten die Chance gegönnt würde, um eine Stunde länger zu verkaufen als der große Nachbar nebenan. Der Bund kann nur ein Rahmengesetz schaffen mit einem weiten Spielraum zur Berücksichtigung unterschiedlicher regionaler Interessen. In Oberbayern und in den Küstengebieten hat sich beispielsweise die Praxis des Samstag-Frühschlusses gut bewährt. Das Gesetz soll überdies auch den sogenannten „Kupfernen Sonntag“ beseitigen und nur den Silbernen und Goldenen Sonntag vor Weihnachten bestehen lassen.