Als die Bomben die in vielen Jahrhunderten gewachsene Pfarrkirche St. Kolumba zerstörten, blieb eine spätgotische Madonnenstatue nahezu unversehrt an ihrem Pfeiler erhalten. Um sie rankte sich bald eine neue Legende, die wundersame Geschichte der „Trümmermadonna“. Ihrem guten Einfluß ist auch die kleine moderne Kapelle zu verdanken, die Gottfried Böhm – der Sohn des bekannten Kirchenbauers – entworfen und 1950 vollendet hat. Freilich muß hinzugefügt werden: ohne die Tatkraft des greisen, aber der zeitgenössischen Kunst jugendlich aufgeschlossenen Ober-Pfarrers Geller wäre dieses Schmuckstück moderner Kirchenbaukunst inmitten der Ruinen von St. Kolumba nicht entstanden. Dort sind nun zwei Baukörper organisch zusammengewachsen – eine zweilochige Vorhalle auf romanischen Fundamenten und mit gotischem Mauerwerk im Westen, im Osten der neue oktogonale Zentralbau aus Beton und Glas. Über dem Zeltdach glänzt eine vergoldete Krone und verkündet den Ort des äußerlich unscheinbaren Kirchleins, das in seiner schlichten Form an die altchristlichen Kirchen Roms erinnert. Die Kapelle wird von einem Steingarten voller Skulptur- und Quaderfragmente umfriedet, der wiederum durch die gotischen Umfassungsmauern vom Großstadtverkehr abgeschirmt wird.

Bis vor kurzem hatte die Kirche nur kargen Schmuck. Zwei alte Holzskulpturen in den Nischen, ein kleines Symbolfenster von Jan Thorn-Prikker und ein großes Westfenster von Georg Meistermann – das war die schlichte Ausstattung der Kapelle, die in wenigen Jahren ihres Bestehens eine außergewöhnliche Volkstümlichkeit erlangte. Man stand auf einem Mosaikfußboden aus. Marmortrümmern und blickte durch die hellen Fenster in den Trümmergarten, vorbei an dem Altar in der mächtigen Form eines Kapitells, über dem die „Trümmermadonna“ als ständige Mahnung schwebte.

Seit einigen Wochen hat der Raum seine endgültige Gestaltung. Ludwig Gies schuf für ihn aus blauen, grauen und hellen Scheiben die neuen Fenster, auf denen die Chöre der Engel mit goldenen Gesichtern in Verehrung der Gottesmutter dargestellt sind. Sie schließen das ehedem offene gläserne Achteck ab und lenken alle Aufmerksamkeit auf das Kultbild. Außerdem wurde eine Skulptur von Ewald Mataré, St. Franziskus den Fischen predigend, vor dem letzten Joch aufgehängt. Der liturgische Raum hat so an Reichtum gewonnen. Die Symbolik der Trümmerrealität ist wieder von kirchlichen Sinnbildern abgelöst worden.

Eduard Trier