Eine HV bei Rheinpreußen ist nicht nur ein Familien treffen der weitverzweigten Haniel-Stämme, sondern auch stets ein Anlaß zu bemerkenswerten industriepolitischen Äußerungen. So gab der Gesamtvorstand der Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie, Homberg (Niederrhein), wieder recht zuversichtliche Erklärungen über die technische, soziale, wirtschaftliche und finanzielle Lage des Gesamtunternehmens ab. Die bereits im Geschäfts- und im Sozialbericht umfangreich erfaßte und modern gestaltete Publizität des Unternehmens wurde durch die Verwaltungsausführungen weiter vertieft. Generaldirektor Dr. Kost teilte mit, daß das Investitionsprogramm das in den letzten beiden Jahren zusammen fast 85 Mill. DM betragen hatte, Ende 1954 auf der Bergbauseite und beim Arbeiterwohnungsbau beendet sei. Die Kohle stehe vor neuen Aufgaben. Die Konkurrenz der Edeienergien, wie Öl, Strom und Gas, erheische langfristige und strukturelle Veränderungen. Man werde von dem festen Brennstoff Kohle in weit größerem Umfange als bisher in die veredelte Form des Stromes und des Gases übergehen müssen. Vielleicht müsse künftig Kohle auch nach Qualitätsunterschieden und nach Analysen verkauft werden. Jedenfalls baue Rheinpreußen seine Sparte Chemie stärker aus und schließe sie noch enger als bisher an die Kohle an.

Bergwerksdir. Reuter nannte 1953 ein gutes Jahr. Auch der Ablauf des ersten Halbjahres 1954 befriedige, für das zweite Halbjahr seien ebenfalls Fundamente für eine weiterhin gute Entwicklung vorhanden. Bergwerksdir. W. Curtius (der Sohn des früheren Reichsaußenministers) teilte mit, daß die Haldenbestände an Koks bei Rheinpreußen in den letzten Wochen erheblich abgebaut werden konnten. Man rechne bis 1961 mit einer etwa zehnprozentigen Erhöhung des Steinkohlenbedarfs in der europäischen Wirtschaft und habe durchaus Zuversicht bezüglich der künftigen Entwicklung des Kohlenbergbaues.

Sowohl Dr. Curtius wie Dr. Kost nahmen Stellung zu aktuellen Fragen der Montan-Union. Bei aller Kritik, für die allmählich auch die Hohe Behörde selbst ein aufgeschlossenes Ohr fände, sei es aber im Interesse der großen Idee der europäischen Integration und ihres ersten echten Ansatzpunktes notwendig, in Grenzen zu bleiben. Man hätte nichts gegen eine Änderung der gegenwärtigen Absatzorganisation der Ruhrkohle (GEORG) durch die Hohe Behörde, wenn der übergebietliche Ausgleich gesichert und das Sortenproblem gelöst sei sowie die Kapazitäten aufrechterhalten bleiben und die Frachten möglichst billig gestaltet werden würden. Man werde mit daran arbeiten, Kohle und Eisen zu verbilligen und einen vernünftigen Mittelweg zwischen dem Schutzbedürfnis des Bergbaues in preislicher Hinsicht und der volkswirtschaftlichen Verpflichtung zu finden, die Kohle so preiswert wie möglich zu liefern.

Die oHV genehmigte den Abschluß, der bei einem Jahresumsatz von 274 (263) Mill. DM und einem Rohertrag von 185 (165) Mill. DM einen Reingewinn von 5,89 (4,91) Mill. DM ausweist, woraus eine von 5 auf 6 v. H. erhöhte Dividende auf 100 Mill. DM AK zur Verteilung kommt. r l t.

*

Die F. Merck AG., Darmstadt, deren 20 Mill. DM betragendes Grundkapital nach der gesellschaftsrechtlichen Neugliederung des Unternehmens i. J. 1953 – damals wurde die seit 1827 bestehende Chemische Fabrik E. Merck OHG in zwei Gesellschaften aufgegliedert, die neugegründete E. Merck AG. als Betriebsgesellschaft und durch Umbenennung der früheren Firma die „Emanuel Merck OHG“ als Besitzgesellschaft – in Händen der Emanuel Merck OHG liegt, legte ihren ersten Geschäftsbericht für 1953 vor. Die stetige Umsatzzunahme in den Nachkriegsjahren setzte sich auch 1953 fort. Die Umsatzsteigerung gegenüber 1952 beträgt rd. 20 v. H. Der Exportanteil übertraf zum erstenmal nach dem Kriege den Inlandsumsatz. Während der Export von pharmazeutischen Fertigpräparaten verhältnismäßig wenig zunahm, erfuhren pharmazeutische Grundsubstanzen trotz gedrückter Preise Exportsteigerungen erheblichen Ausmaßes, vielfach sogar eine Verdoppelung der Vorjahrsumsätze. Bei einem Rohertrag von 39,53 Mill. DM verblieb ein Jahresgewinn von 1,66 Mill. DM. Hieraus erhält das in Familienbesitz befindliche AK 8 v. H. Dividende, rd. 57 970 DM werden vorgetragen.

Guter Auftragsbestand beim Volkswagenwerk. Das Volkswagenwerk hat im 1. Halbjahr 1954 insgesamt 116 352 Wagen hergestellt. Dies entspricht einer Tagesdurchschnittsleistung von 908 Wagen, gegenüber 86 883 Wagen in der gleichen Zeit des Vorjahres mit einer durchschnittlichen Tagesproduktion von 680 Wagen. Der Exportanteil liegt bei 40 v. H. Nach dem bisherigen Produktionsergebnis ist mit Sicherheit damit zu rechnen, daß die 200 000er Grenze in diesem Jahr in Wolfsburg überschritten werden wird. Im Vorjahr waren es 180 000 Wagen, wovon 68 000 in den Export gingen. für 1954 hofft man, eine Ausfuhr von 100 000 Volkswagen zu erreichen. Wie von der Werksleitung bekannt wird, ist der Auftragsbestand aus dem In- und Ausland sehr gut.