Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG. dem Nachfolge Institut der Dresdner. Bank in Norddeutschland. entnommen

Die Geschäftstätigkeit auf den Weltrohstoffmärkten war, von einigen Ausnahmen abgesehen, in der Berichtswoche ruhig. Einer Festigung der meisten Getreidearten stand eine Schwächeneigung bei den Genußmitteln und den pflanzlicher Ölen und Ölsaaten gegenüber. Im Gegensatz zu der Entwicklung des US-Weizenpreises gab der kanadische Exportpreis fü Northern Manitoba Nr. 1 nach. Hierin spiegelt sich die in Vergleich zu den USA geringere kanadische Preisstützung wider. Somit kommt in der kanadischen Preisentwicklung du tatsächliche Angebots- und Nachfragesituation zum Ausdruck

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 5. bis 10. Juli vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 12 die Tendenz leicht bis stark steigend und bei sieben leicht bzw. stark schwächer. Die Preise von vier der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer, Blei und Zink, waren konstant.

Getreide: Die Getreidepreise zogen in der Berichtswoche mit Ausnahme von Hafer erneut an. Besonders stark war die Preisfestigung bei Roggen (rd. 7 v. H.) und bei Weizen (rd. 3,5 v. H.). Zu der festen Haltung des Weizenmarktes trugen Meldungen über große Mehlverkäufe an die US-Backindustrie bei. Käufe wurden außerdem durch das geringe Angebot der Farmer ausgelöst, die den Weizen neuer Ernte zurückhalten, um ihn in die Regierungsbeleihung zu geben. Private Ernte Schätzungen nach dem Stand vom 1. Juli rechnen mit einem Weizenertrag von 1,036 Mrd. bu (Ernte 1953: 1,169 Mrd. bu) und liegen damit rd. 36,5 Mill. bu über der amtlichen Ernteschätzung vom 1. Juni. Da die zu erwartende Weizenernte den Inlandsbedarf sowie die wahrscheinliche Ausfuhrmenge übersteigen wird, ist anzunehmen, daß der Überhang per 1. 7. 1955 erneut zunehmen wird, falls es nicht gelingt, die Ausfuhr beträchtlich zu erhöhen.

Kupfer: Die Versorgungslage am New Yorker NE-Metallmarkt ist nach wie vor gespannt. Bisher ist es noch zu keiner Erhöhung des Kupferpreises gekommen, da die Hüttengesellschaften offensichtlich bestrebt sind, kurzfristige Preisschwankungen zu vermeiden. Nicht nur die Kupfergewinnung in den USA steigt, sondern auch in Chile soll eine Erhöhung der Kupfergewinnung geplant sein. Nach einer Erklärung des chilenischen Bergbauministers sei es zur Deckung der laufenden Nachfrage notwendig, die Kupfergewinnung der großen Unternehmen von gegenwärtig nicht ganz 300 000 je Jahr auf 360 000 t je Jahr zu erhöhen. Noch Anfang dieses Jahres hatten sich die in Chile arbeitenden US-amerikanischen Unternehmen infolge der ungünstigen Absatzlage zu Produktionseinschränkungen entschließen müssen.

Zinn: Die letzthin zu verzeichnende Festigkeit der Zinnnotierungen dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Konsumenten infolge der zu erwartenden Bildung des Puffervorrats im Rahmen des Internationalen Zinnabkommens eine Verknappung befürchteten. Sie treten in verstärktem Maße als Käufer am Markt auf, um so mehr als sie nur über geringe Bestände verfügten. Das Zinnproblem, für das das Internationale Zinnabkommen eine Lösung anstrebt, ist nicht durch einen starken Produktionsanstieg hervorgerufen worden, sondern vielmehr durch einen beträchtlichen Verbrauchsrückgang. In den letzten Jahren sind immer mehr Verfahren entwickelt worden, durch die Zinn eingespart wird. Erst kürzlich hat die America Can Company erklärt, daß die Forschungsarbeiten das Ziel hätten, Zinn durch Aluminium, Nickel und Zink zu ersetzen. In Anbetracht der Tendenz einer Konsumverringerung erscheint es daher fraglich, ob das Zinnproblem durch Produktions- und Exportregulierungen tatsächlich gelöst wird oder ob es nicht dazu führt, daß, auf die Dauer gesehen, die Lage der Zinn produzierenden Länder sich verschlechtert. Produktionseinschränkungen in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg haben dazu geführt, daß die Erschließung neuer Vorkommen unterblieb.