II. Technische Anlagen müssen verbessert werden – Trinkwasser aus dem Meer noch zu teuer

Von K. C. Kowalewski

In unserer letzten Ausgabe begannen wir mit einer Untersuchung der Sorgen in der Wasserwirtschaft. In diesen Tagen ist der Süden unseres Landes von der schwersten Hochwasserkatastrophe seit fast 60 Jahren heimgesucht worden, jedoch die allgemeine Wassernot wird durch den Einbruch dieser Naturkatastrophe wenig verändert. Unser Wasserverbrauch ist seit dem Jahre 1800 um das Achtzigfache gestiegen. Die Ursachen des zunehmenden Wassermangels und die Möglichkeiten, ihn zu beheben – die bei jedem einzelnen von uns beginnen und bei der Süßwassergewinnung aus dem Meer enden –, behandelt unser Beitrag, dessen zweiten Teil wir heute veröffentlichen.

Wissenschaftler haben errechnet, daß der Bodensee in 16 000 Jahren von den Geröllmassen des Rheins und anderen Zuflüssen zugeschüttet sein wird. Nun, bis dahin ist noch lange Zeit, und wir brauchen uns darüber nicht den Kopf zu zerbrechen. Was uns heute Kopfzerbrechen bereitet, ist die zunehmende Verschmutzung des Bodensees mit allen Gefahren, die sich daraus für Gesundheit und Wasserversorgung ergeben. Der Bodensee ist ja nicht nur ein schönes Stück Natur, sondern ein sehr bedeutender Wasserspeicher für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Etwa zwei Dutzend Gemeinden schöpfen ihr Trinkwasser aus diesem zweitgrößten See Europas. Umgekehrt lassen sie – mit Ausnahme von St. Gallen und Singen – ihre Abwässer ohne vorherige Klärung in den See fließen.

In den vergangenen Jahren haben die Wasserexperten immer wieder warnend auf die Gefahren hingewiesen, die dieser Zustand in sich birgt. Auch ein See, der, wie der Bodensee, einen Wasserinhalt von immerhin 50 000 Millionen Kubikmeter hat, kann auf die Dauer die ungeklärten Abwässer nicht „verdauen“, ohne sein biologisches Gleichgewicht und damit seine Selbstreinigungskraft einzubüßen. Zwar ist der Bodensee nach wie vor eines der reinsten Gewässer Europas. Doch in den Uferzonen machen sich bereits alle typischen Krankheitserscheinungen, wie Sauerstoffmangel und Fischsterben, bemerkbar.

Der Bodensee, so heißt es in einem „Internationalen Aufruf zur Reinhaltung des Bodensees“, der kürzlich von dem in Konstanz tagenden Südwestdeutschen Wasserwirtschaftverband erlassen wurde, stehe in Gefahr, ein Opfer der modernen Zivilisation und Technik zu werden durch die immer größer werdende Abwässerbelastung. „Noch ist es möglich, die notwendigen Maßnahmen zu einer Reinerhaltung des Bodensees mit wirtschaftlich tragbaren Mitteln durchzuführen. Jedes Jahr, das ungenutzt verstreicht und in dem die Abwässer ungereinigt in den Bodensee fließen, erschwert und verteuert die ohnehin notwendig werdenden Reinigungsmaßnahmen.“

Die Römer verstanden es