Von den krisenhaften Erscheinungen auf den Weltrohstoffmärkten sind in letzten Zeit mehrere große Importhäuser der Hansestädte Hamburg und Bremen in Mitleidenschaft gezogen worden. Nachdem es bisher gelungen war, die von Insolvenzen zwangsläufig ausgehenden Wirkungen eng zu begrenzen, ist jetzt erstmalig durch den Konkurs der Fett- und Ölimportfirma Groenhoff & Laub der Fall eingetreten, daß ein Bankhaus, und zwar die Firma Werner & Frese in Hamburg, fremde Hilfe in Anspruch nehmen mußte, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Wie ernst diese Angelegenheit zu beurteilen ist, beweist allein schon die Tatsache, daß hier achtstellige Summen auf dem Spiele stehen. Als Groenhoff & Laub sich als zahlungsunfähig erklärten, waren Werner & Frese gezwungen, etwa 5 Mill. DM abzuschreiben. Das wäre bei der keineswegs ungünstigen Kapitalbasis des Bankhauses ohne weiteres möglich gewesen. Auch der bei European & Overseas Trading Company GmbH in Hamburg verlorene Kredit von etwa 2 1/2 Mill. DM hätte noch verdaut werden können, wenn nicht inzwischen Teile der Kundschaft – durch diese Verluste gewarnt – mit dem Abzug ihrer Einlagen begonnen hätten. Nun blieb nur der Hilferuf an andere Banken übrig, der – wäre er rechtzeitiger erfolgt – sehr viel Porzellan hätte retten können, das nun zerschlagen worden ist.

Sieht man davon ab, was von den beiden Inhabern des Bankhauses Werner & Frese selbst hätte getan werden müssen, um eine derartige Situation, wie sie jetzt eingetreten ist, von vornherein zu vermeiden, so kommt man nicht daran vorbei, auf die Rolle hinzuweisen, die die Bayerische Staatsbank, die seit einigen Jahren mit 1 Mill. DM Kommanditist des Hamburger Bankhauses ist, in der Vergangenheit und jetzt gespielt hat. Mit sehr viel Aufwand wurden die engen Bindungen verkündet, die die Bayerische Staatsbank zu einer Hamburger Außenhandelsbank aufgenommen hat; gemeinsame Auslandsreisen leitender Persönlichkeiten beider Institute sollten den Eindruck der Einheit zwischen den Häusern verstärken. Jetzt aber, wo das Hamburger Kind in den Brunnen gefallen ist, bedurfte es einiger energischer Erinnerungen an die Verwandtschaft, um Hilfe aus Bayern zu erhalten. Man wäre in München besser beraten gewesen, wenn man gleich zu Beginn der Krise mit ausreichenden Mitteln eingesprungen wäre, ehe eine allgemeine Nervosität hätte Platz greifen können.

Natürlich ist das Bankhaus Werner & Frese von dem Vorwurf, nicht immer mit der bankenüblichen Vorsicht Kredite gegeben zu haben und bei der Auswahl der Kunden nicht kritisch genug gewesen zu sein, nicht freizusprechen. Gerade weil das Haus nach dem Krieg sehr gewachsen ist und den Geschäftsumfang einer Bank mittlerer Größe angenommen hat, hätte mehr Sorgfalt in diesen Dingen doppelt not getan; aber nichts wäre verfehlter, als wenn man – wie es bereits versucht wurde – in dieser oder jener Hinsicht Urteile über die Privatbanken überhaupt fällen wollte. Wer sich die Frage nach Sicherheit vorlegt, muß bedenken, daß der Inhaber einer Privatbank nicht nur mit seinem geschäftlichen, sondern auch mit seinem gesamten privaten Vermögen haftet. Diese persönliche Haftung ist seit jeher eine wirkungsvolle Bremse gegen leichtfertige Handlungen gewesen; sie mag daneben auch der Grund dafür sein, daß bei den Privatbanken das Verhältnis von Eigen- zum Fremdkapital im allgemeinen günstiger ist als bei den Aktienbanken.

Wie soll es nun bei Werner & Frese weitergehen? Der genaue Umfang der eingetretenen und noch zu erwartenden Verluste läßt sich zwar heute nicht übersehen, doch hat ein potentes Bankenkonsortium dafür gesorgt, daß allen Verpflichtungen nachgekommen werden kann. Entscheidend wird sein, was nach Abzug der Verluste von der Substanz übrigbleibt und wie viele Kunden dem Bankhaus auch späterhin die Treue halten werden. Entwickeln sich diese beiden Faktoren nach der günstigen Seite hin, dürfte eine Bankfirma von (eingeschränkter) Bedeutung erhalten bleiben. Kurt Wendt