Die Ausführungen des Herrn Martini sind sehr zu begrüßen. Sie machen junge Menschen, die vor dem Beginn ihres Studiums stehen, mit einer Frage bekannt, deren Problematik’ ihnen häufig erst nach Ablauf etlicher Semester aufgeht, mit der Frage nämlich: soll man als Hauptfach, das heißt Promotionsfach, Zeitungswissenschaft studieren, wenn man Journalist werden will?

In diesem Zusammenhang ist sehr interessant, was Prof. Dr. Emil Dovifat in seiner „Zeitungslehre“ (1. Bd. Berlin-Leipzig 1937) zur akademischen Vorbildung des Journalisten sagt: „Das in der journalistischen Arbeit unerläßliche Fachwissen, durch das jeweilige Betätigungsfeld des Journalisten bestimmt,... kann am besten an den Universitäten durch ein gediegenes, dem Fache als solchem... ganz gewidmetes Studium erfolgen... Für die eigentliche journalistische Fachbildung im geistig-technischen Sinne bietet dann das zeitungswissenschaftliche Studium die Grundlage.“

„Ein gediegenes, dem Fach als solchem ganz gewidmetes Studium“ heißt doch sicher: dieses Fach als Hauptfach studieren, also Geschichte, Volkswirtschaft oder ähnliches. Dann aber noch zusätzlich Zeitungswissenschaft als Hauptfach? Welcher Student hat genug Zeit – oder Geld –, um ein derart umfangreiches Studium, zu dem ja noch die Nebenfächer kommen, in wissenschaftlich gründlicher Weise zu absolvieren? Bleibt also nur die Wahl, Spezialgebiet oder Zeitungswissenschaft zum Hauptfach zu machen. Im zweiten Falle werden die Spezialgebiete zu Nebenfächern. Sie sind aber im allgemeinen zu umfangreich, um als Nebenfach intensiv ausgeschöpft zu werden, wie Prof. Dovifat es mit dem „gediegenen“ Studium zu fordern scheint.

Nimmt man zu allem Gesagten die von Herrn Martini erwähnte – und offenbar begründete – Abneigung der Redaktionen gegen die mit „phantastischen Ansprüchen“ aufgeladenen Studenten der Zeitungswissenschaft, so bleibt für künftige Journalisten wirklich nur der Rat, als Hauptfach eine Wissenschaft zu studieren, die dem künftigen Fachgebiet oder Ressort entspricht, und die Ausbildung des fachlich-journalistischen Könnens getrost den Redaktionen zu überlassen.

Wenn jedoch nicht künftige Journalisten die Zeitungswissenschaft als Hauptfach wählen sollen, so bleibt in der Tat nur zu fragen: wer sonst – außer dem Nachwuchs für die Lehrstühle der Zeitungswissenschaft? G. Kröckel, Hamburg