Das hervorstechende Merkmal der jüngsten Kaufhofbilanz ist der große Fortschritt auf dem Wege der Konsolidierung des Wiederaufbaues. Die Kaufhof AG, Köln, hatte in denersten Jahren nach der Währungsreform den Wiederaufbau ihrer vielfach zerstörten Häuser überwiegend mit kurzfristigen Fremdmitteln finanziert. In der Bilanz von 1952 waren von 74 Mill. DM erst 30,5 mittel- und langfristig umgewandelt worden, in der Bilanz 1953 sind es von 118 bereits 64 Mill. DM. 1954 dürfte eine weitere Konsolidierung erreicht werden. Diese geht Hand in Hand mit einer guten Entwicklung der Umsätze.

Im Geschäftsjahr 1953 erhöhte sich der Wertumsatz um 23,5 v. H. von 393 auf 485 Mill. DM. 1954 dürfte ein Ergebnis erreicht werden, das zwischen 550 und 600 Mill. DM liegt. Dabei war 1953 der Preisstand der verkauften Sortimente meist rückläufig, vor allem bei Textilien. Die sinkende Preistendenz wird nach Auffassung der Kaufhof-Verwaltung auf lange Sicht bestehen bleiben. Da die Kostenentwicklung keine Sorge mehr bereite, ja sogar eine leicht sinkende Tendenz erkennbar sei, und zum anderen die Konkurrenz in der Sphäre des kleinen wie des großen Einzelhandels zunehmen werde, seien bei stabilen Einkaufspreisen rückläufige Einzelhandelspreise nicht unbegründet.

Die Erfahrungen eines Großbetriebes des Einzelhandels, wie es Kaufhof mit seinen mehr als 35 Häusern in der Bundesrepublik ist, haben stets für die Öffentlichkeit einen gewissen; repräsentativen Wert. So war zu hören, daß sich eine auffällige Verlagerung vom Mittelstands-zum Arbeiterkunden ergeben habe, allerdings nicht zahlenmäßig, wohl aber bezüglich des Umfanges der getätigten Einkäufe. Das hohe Realeinkommen der Industriearbeiterschaft und die wachsende Gesamtkaufkraft spiegeln sich im Umsatzvolumen wie in der Zusammensetzung der Einzelkäufe deutlich wider. So sei der Zug zu modischen Artikeln geradezu frappierend. Auch das Bedürfnis nach allererster Qualitätsware veranlasse die Warenhäuser zur Erweiterung ihrer Sortimente, Vergrößerung ihrer Läner und – damit verbunden zum Eintritt in höhere Preisklassen.

Das Geheimnis des betriebswirtschaftlichen Fortschrittes bei Kaufhof mag auch darin liegen, daß das Unternehmen in seinen neuen Häusern den Verkaufsvorgang nach den modernsten Erfahrungen aufgezogen hat. Es wurde sozusagen das Fließband der Fabrikation auf den Handelstisch verlagert. Darin liegt der Grund, daß bei einer verhältnismäßig gering gestiegenen Belegschaft (1200 Verkäufer und 5200 Verkäuferinnen) ein Umsatz von einer halben Milliarde geschafft werden konnte, mithin je Kopf rund 70 000 DM. Im ersten Halbjahr 1954 sind die Umsätze weiter steigend bei Besserung der Liquidität des Gesamtunternehmens. Im August werden anläßlich des 75jährigen Jubiläums von Kaufhof „Zwei billige Jubiläumswochen“ eingelegt werden.

Einige Zahlen aus der Bilanz (in Mill. DM): Anlagen 70,2 (69,8), Beteiligungen 12,4 (11,2), Warenvorräte 39,7 (24,8), sonstiges Umlaufvermögen 50,5 (21,8), davon Bankguthaben und Kasse 11,3 (5,9), andererseits Rücklagen unv. 13,2, Wertberichtigungen 30,1 (10,1), Rückstellungen 16,5 (9,2) und Verbindlichkeiten 72,5 (55,1), darunter gegen Banken 28,6 (17,9). Auf 37,8 Mill. DM AK kommen 8 (6) v. H. Dividende zur Ausschüttung. r l t.