B. P., Kopenhagen, im Juli

Plötzlich war die Kasse leer. Noch Ende März waren die dänischen Nettoforderungen an das Ausland, also die Devisenreserve, etwa 20 Mill. dKr. größer gewesen als ein Jahr vorher: 251 gegen 231 Mill. dKr. Dann aber ging es rasch abwärts, und am 1. Juli waren nur noch etwa 23 Mill. dKr. übrig. Das war eine beunruhigende Entwicklung...

Die Öffentlichkeit hatte aufgehorcht, als die Nationalbank am 23. Juni den Diskontsatz von 4,5 auf 5,5 v. H. heraufsetzte. Eine Wirkung war nicht zu spüren. Die Oppositionspresse begann mit heftigen Vorwürfen gegen die sozialdemokratische Regierung, der man die Schuld an dem Devisenabfluß gab: sie habe die vor acht Monaten übernommene Devisenreserve von 390 Mill. dKr. rasch verbraucht. Man ging bereits so weit, eine Abwertung der dänischen Krone und eine Regierungskrise an den Horizont zu malen. Finanzminister Viggo Kampmann und Ministerpräsident Hans Hedhoft kehrten umgehend aus Grönland und Norwegen nach Kopenhagen zurück und berieten mit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion die Lage.

Danach erklärte der Ministerpräsident zuversichtlich: es sei alles wohl im Staate Dänemark, und der Wirtschaftsminister Jens Otto Krag gab in einem Fernsehvortrag beruhigende Daten: Die Ausfuhr habe sich gut entwickelt und sei 150 Mill. dKr. größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Ja, im Herbst könne man sogar mit neuen Ausfuhrrekorden rechnen. Allerdings sei die Einfuhr gleichzeitig um 295 Mill. dKr. gestiegen. Die steigenden Weltmarktpreise (und die Befürchtung einer Einfuhrbeschränkung) hatten zu gewissen Hamsterkäufen geführt. Die Futtermitteleinfuhr war um 155 Mill. dKr. größer, die Rohstoffeinfuhr um 55 Mill., Kaffee um 25 und Kraftwagen um 45 Mill. dKr. Man habe also im Grunde nur die Devisenreserve gut angelegt! Das wird sich nach Ansicht des Wirtschaftsministers auch bezahlt machen. In der Europäischen Zahlungsunion hat Dänemark zwar einen großen Unterschuß – aber dagegen noch Dollarkredite für rund 800 Mill. dKr. Außerdem hat die Produktion einen neuen Rekordstand erreicht. Man kann hinzufügen, daß die dänische Handelsflotte heute 32 v. H. größer ist als vor dem Kriege, 570 Schiffe mit zusammen 1,4 Mill. BRT umfaßt und im letzten Jahre über eine Milliarde dKr. einfuhr.

Weiter wurde die beruhigende Erklärung abgegeben, daß die dänische Regierung vorläufig nicht daran denkt, die vorgeschlagenen Notstandsmaßnahmen zu ergreifen, als da sind: eine Erhöhung der Zölle (vor allem der Textilzölle), die Einführung von Importbeschränkungen oder gar die Erhöhung der Steuern. Man hat sich – Wunder über Wunder in unserer Zeit des Dirigismus – vielmehr entschlossen, einfach abzuwarten, da alle Aussicht besteht, daß Handels- und Zahlungsbilanz von selbst wieder ins Gleichgewicht kommen. Dagegen hat man ein Sparprogramm ausgearbeitet, nach dem die zivilen und militärischen Staatsausgaben um rd. 150 Mill. dKr. vermindert werden sollen. Dieses Programm enthält u. a. auch eine Herabsetzung der militärischen Dienstpflicht von 18 auf 16 Monate, also ganz so, wie es bereits von Norwegen durchgeführt wurde. Das ist fraglos eine populäre Maßnahme. Zwar wird die Devisenmenge dadurch schwerlich erhöht: Aber was man in den Augen der Wähler durch die Devisenkrise vielleicht verloren hat, gewinnt man infolge der Dienstzeitverkürzung vermutlich zurück. Erscheint es also auch wirtschaftlich noch so unlogisch, Devisenabfluß durch Dienstzeitverkürzung zu begegnen, so ist es parteipolitisch sicher ein eleganter Schachzug.