Der Landesverband des Gaststätten- und Hotelgewerbes der Hansestadt Hamburg wird in diesem Jahr im Rahmen eines Pauschal-Arrangements für Hamburg-Aufenthalte Gutscheinhefte ausarbeiten, die demjenigen Ausländer eine 20prozentige Ermäßigung der Hotelpreise bieten, der nicht in der Übernachtungssaison nach Hamburg kommt, sondern in der Zeit von Oktober bis März. Wenn sich der Inländer erstaunt fragen sollte, warum nur Ausländern diese Vergünstigung geboten wird, so erfährt er, daß der Besuch der Inländer ohnehin gleichmäßig über das ganze Jahr verteilt ist. Von den Ausländern werden die Monate Juli bis September bevorzugt. Insgesamt hatte Hamburg im Jahre 1953 als Spitze 200 000 Übernachtungen im Juli, gegenüber 108 000 Ende Dezember.

So kann sich die Situation ergeben, daß im kommenden Winter zwei Gäste ein Hotel betreten, gleichwertige Zimmer bekommen und doch unterschiedliche Preise zahlen, das heißt, dieselbe Leistung hat zwei Preise, von denen der eine ein Werbepreis ist, der nur deshalb 20 von Hundert unter dem anderen liegt, weil man weiß, daß die Inländer in ihrer Besucherzahl während des ganzen Jahres ziemlich konstant bleiben. So richtig diese Maßnahme aus der Sicht der Fremdenwerbung ist, so entnimmt der Inländer daraus die Kenntnis, daß es durchaus möglich ist, die Preise im Interesse einer allgemeinen Geschäftsbelebung zu senken.

Es gibt im Hotel- und Gaststättengewerbe keine festen Preise. Die Preisbindungen, die in der Notzeit bestanden, sind schon seit Jahren gefallen, der Wucherparagraph kann nicht mehr in Anwendung gebracht werden. Angebot und Nachfrage allein bestimmen die Preise. Dazu muß der Gast wissen, daß die in jedem Zimmer ausgehängten Übernachtungspreise vom Hause eingehalten werden müssen. Diese Preisangabe ist nämlich generell gesetzlich durch die Auszeichnungspflicht geregelt, doch steht es im Ermessen jedes Hauses, die Höhe des Preises zu bestimmen. Die Zimmerpreiskarte wird vom jeweiligen Landesverband unterschrieben, aus rein optischen Gründen, um damit zu bekunden, daß das Haus Mitglied des Verbandes ist. Besch Werdemöglichkeiten gegen als zu hoch empfundene Preise gibt es nicht, wohl aber gegen die Überschreitung der ausgehängten Preise. Dieser Hintergrund gibt eine eindeutige Erklärung, warum zum Beispiel bei Messen und Ausstellungen die Hotelpreise vieler Häuser plötzlich nach oben gehen und warum die Schnitzer kleiner werden, warum monopolartige Messegaststätten unberührt durch alle Proteste eine dünne, wässerige Knackwurst für 1,50 DM verkaufen. Die Hoteliers und Gastwirte solch sonniger Plätze verteidigen sich mit dem für sie recht plausiblen Argument, in der toten Zeit setze man zu und die Preise errechneten sich nach einer Kalkulation, die tote und Saisonzeiten zusammenziehe.

Millionen Menschen reisen jedes Jahr, sie wohnen und schlafen während dieser Zeit nicht zu Hause; sie leben als zahlende Gäste in fremden Häusern, manchmal nur einen Tag, und sind auf die von ihnen bezahlte Hilfe und Unterstützung angewiesen. Urlaubs- und Vergnügungsreisende nehmen eine Sonderstellung ein. Berufsreisende, die sich durch die Lande bewegen, achten genau auf ihr Geld. Sie fahren zu einem hohen Prozentsatz mit dem Auto, sie sind so beweglich, daß sie auf dem Dorfe übernachten können, wenn sie in der Stadt zu tun haben. Und sie haben Grund, auf dem Dorfe zu bleiben, denn

1. haben die Zimmer meist denselben Komfort wie die mittleren Stadthotels,

2. sind die Zimmer billiger,

3. ist das Essen reichhaltiger und preiswerter,