Dem Wochenbericht Aber die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

In der Berichtswoche war bei der Mehrzahl der hier notierten Waren erneut ein Preisanstieg festzustellen. Diese Entwicklung kommt auch in Moody’s Index von Warenpreisen für Stapelgüter (31. 12. 1931 – 100), der am 16. Juli bei 432,3 stand, im Vergleichzu 432,0 am 9. Juli und 428,5 am 16. Juni, zum Ausdruck. Allerdings darf diese Entwicklung des Rohwarenindexes nicht darüber hinwegtäuschen, daß auf den Weltmärkten zwei getrennte Entwicklungen zu unterscheiden sind. Sieht man von den Sonderbewegungen ab, die einige Genußmittel in der letzten Zeit durchgemacht hatten, so weisen die industriellen Rohstoffe, und hier vor. allem die NE-Metalle, eine feste Tendenz auf. Die Überschußerzeugung, die noch vor einigen Monaten auf den Markt drückte, hat sich in letzter Zeit verringert, und es ist zu einer ausgeglichenen Angebotslage gekommen.

Einen Überblick, über die Preisentwicklung in der Woche vom 12. bis 17. Juli vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 10 die Tendenz leicht steigend bzw. steigend und bei neun leicht bzw. schwächer. Die Preise von vier der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer, Blei und Zink, waren konstant

Getreide: Auf den nordamerikanischen Getreidemärkten setzte sich erneut eine Preisfestigung durch. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Hafer- und Maisnotierungen, die im Vergleich zur Vorwoche leicht rückläufig waren. Die Festigung, der Getreidenotierungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß vor allem bei Weizen Baissefaktoren vorhanden sind, die gegenwärtig in den Preisen nicht voll zum Ausdruck: kommen. Zur Lösung des Problems der überschüssigen Agrarerzeugnisse hat Präsident Eisenhower jetzt das Gesetz über den Absatz dieser Erzeugnisse im Wert von 1 Mrd. $ an befreundete Nationen gegen Zahlung in nationaler Währung unterzeichnet. In diesem Betrag sind 300 Mill. $ enthalten, die in Form von Agrarüberschußerzeugnissen als Hilfeleistung an notleidende Völker vierteilt werden sollen. Es bleibt abzuwarten, wie diese Mengen, die zusätzlich zu dem normalen Konsumentenbedarf auf den Markt kommen, abgesetzt werden können, ohne eine Störung der Märkte hervorzurufen! denn das gegenwärtige Weltweizenproblem besteht darin, wie die Überschüsse untergebracht werden können,ohne einen Preissturz hervorzurufen, der katastrophale Folgen haben könnte. Einen weiteren Versuch, den Auslandsabsatz von US-Getreide anzuregen und die vorhandenen Überschüsse, abzubauen, stellt der vorläufig vom Repräsentantenhaus genehmigte Plan über die Einführung eines zweigleisigen Weizenpreises im Jahre 1956 dar. Nach diesem bereits seit längerer Zeit diskutierten Projekt sollen die Farmer 100 v. H. des Paritätspreises für Weizen erhalten, der für den US-Inlandkonsum bestimmt ist. Der Preis für den Auslandabsatz soll sich dagegen nach Angebot und Nachfrage bilden. In Anbetracht der gegenwärtigen Marktlage. ist ein Preisrückgang, zu erwarten, durch den die Nachfrage angeregt werden soll. Diese Maßnahme dürfte nicht ohne Rückwirkung auf die übrigen großen. Weizenexportländer bleiben. Das gegenwärtige Weltmarktpreisniveau wird weitgehend von der Politik der USA bestimmt, – die wegen Ihrer großen Vorräte das Angebot verknappen will, um es mit der Nachfrage in Einklang zu bringen. Einen Preisverfall müssen die Exportländer und vor allem die USA aus innerpolitischen Gründen vermeiden, zumal es sich beim Weizenpreis in den USA um einen politischen Preis handelt und dieser nicht ohne Einfluß auf das Ergebnis der im Herbst stattfindenden Wahlen ist.

Kupfer: Die anhaltende Festigkeit des Kupfermarktes ist durch die Besserung der Lage in Chile hervorgerufen worden, das in den letzten Monaten seine Vorräte weitgehend abgebaut und seine Produktion eingeschränkt hat. So konnte Chile im 1. Halbjahr seine Exporte auf 176 922 t steigern, was ungefähr einer Verdoppelung der Exporte im 2. Halbjahr 1953 entspricht.

Baumwolle: Der New Yorker Locopreis befestigte sich leicht. Die Ausfuhr entwickelte sich weiterhin günstig. In den ersten zehn Monaten der laufenden Saison (August 1953 bis Mai 1954; exportierten die USA rd. 3,1 Mill. Ballen. Die Exporte liegen damit rd. 10 v. H. über denjenigen des entsprechenden Zeitraumes der vorhergehenden Saison. Baumwolle gehört zu den wenigen großen US-Exportgütern, deren Ausfuhr im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich angestiegen, ist. Die diesjährige Ernte, die von privater Seite auf rd. 12 Mill. Ballen geschätzt wird und damit rd. 4 Mill. Ballen unter dem Vorjahrsergebnis liegen würde, dürfte den Inlandkonsum und die Exportnachfrage nicht decken. Allerdings verfügen die USA über große Vorräte. Von dem per 31. Juli auf 18 Mill. Ballen geschätzten Weltüberhang entfallen fast 10 Mill Ballen allein auf die USA. Diese großen Vorräte sind i. T. durch die ungünstige Konjunktur der US-Textilindustrie im vergangenen Jahr entstanden, und sie sind ein Grund für eine zu erwartende weitere Anbaubeschränkung im nächsten: Jahr. Der verringerten US-Erzeugung steht aber in diesem Jahr eine Ertragssteigerung in anderen Produktionsländern gegenüber. Da die USA wie bei Getreide so auch bei Baumwolle über die größten Vorräte in der Welt verfügen, wird – die künftige Marktlage weitgehend von den Maßnahmen abhängen, die die USA auf dem Gebiet der Baumwollwirtschaft treffen sollten, sowie von der Entwicklung des Inlandverbrauchs und des Auslandabsatzes. Daß die USA die Lage auf dem Baumwollnarkt trotz ihrer großen Vorräte nicht als ungünstig ansehen, ist vielleicht aus der Zustimmung zu schließen, die das US-Repräsentantenhaus zu einer flexibleren Preisstützung für die Grundernten erteilt hat.