In Schleswig-Holstein ist ein höchst ungewöhnliches und vollkommen unbegründetes Massenrevirement aller Oberstaatsanwälte angezettelt worden. Den Stein ins Rollen brachte die Versetzung des außerordentlich fähigen Generalstaatsanwaltes Mannzen als Bundesrichter nach Karlsruhe. Es heißt, er und der Oberstaatsanwalt Thamm, bisher beim Landgericht Kjel, stünden der SPD nahe und, so fährt die Fama fort, seien daher der CDU-Regierung ein Ärgernis gewesen. Auch innerhalb der Demokratie zeigt sich also immer wieder, daß die Intoleranz Andersgläubigen gegenüber – mit anderen Worten, die Neigung zur „Machtergreifung“ – offenbar eine ständige Anfechtung ist.

Ein umgekehrter Vorgang, der von manchen als „passive Resistenz“ der alten Beamtenschaft gegen die neue Regierung charakterisiert wird, ist gleichzeitig in Hamburg zu bemerken. Der Fraktionsführer der bei den letzten Wahlen in Hamburg geschlagenen SPD, Nevermann, hat, wie aus dem SPD-Flugblatt „Was blasen die Trompeten?“ hervorgeht, kürzlich gesagt: „Wir haben aber auch Absetzungen und Versetzungen verhindert. Wir werden sie auch in Zukunft verhindern können, wenn unsere Freunde nicht freiwillig gehen, sondern in ihrem Amt sozialdemokratisches Rückgrat bewahren.“ Hier also wird an das Loyalitätsgefühl amtierender Beamter und Angestellter einer Partei gegenüber appelliert, die bei den letzten Wahlen überstimmt wurde. Bekanntlich kann niemand zween Herren dienen, und darum muß ein solcher Aufruf die SPD-Beamten einer bürgerlichen Regierung in Konflikte bringen. Nach den Angaben des CDU-Fraktionsführers, Blumenfeld, in der Bürgerschaft sind im Jahre 1945 aus politischen Gründen von der Besatzungsmacht und durch die Entnazifizierungsausschüsse insgesamt 7800 Bedienstete (davon 4200 Beamte) in Hamburg entlassen worden. Von ihnen ist nach und nach ein großer Teil wieder eingestellt worden, aber etwa 2000 Ämter, und natürlich vorwiegend die gehobenen, mußten in der Regierungszeit der SPD neu besetzt werden. Dabei ist gewiß das Parteibuch nicht ganz außer acht gelassen worden. Wenn jetzt diese Beamten und Angestellten aufgefordert werden, „sozialdemokratisches Rückgrat zu zeigen“, so fragt man sich, ob das wirklich das Gesetz ist, unter dem die angetreten sind, deren Aufgabe es ist, der Allgemeinheit zu dienen. Dff