d. a. Bremen

Als am 4. Juli 1954 in Osterwick/Westfalen die Magirusleiter der Coesfelder Freiwilligen Feuerwehr plötzlich in sich zusammenfiel, schien die Karriere des Sensationsdarstellers Armin Dahl ein jähes Ende zu finden. Mit dreifach gebrochenem Fuß wurde der Verletzte in das Altonaer Krankenhaus, in dem er Stammkunde mit Verrenkungen und Verstauchungen ist, gebracht und für sechs Wochen in Gips und Bett gelegt. Dahls Kommentar: „Daß es mir passierte, ist nicht schlimm, schlimm ist allein die Möglichkeit eines solchen Versagers im Ernstfall.“ Zwölf Tage später, am 16. Juli, verließ in den Abendstunden ein humpelnder Mann am Krückstock das Krankenhaus. Dahl hatte sich einen „Geh-Gips“ machen lassen, weil er lange vor dem Unfall einen Auftrittstermin zum 18. Juli eingegangen war.

Noch vor wenigen Jahren war Armin Dahl ein Unbekannter, der sich mangels Kasse die Schwimmkarte schenken lassen mußte. Heute kennt ihn in Deutschland jedes Kind. Als er zum Beispiel vor einigen Wochen die Maschsee-Gaststätte in Hannover wiedereröffnete, strömten 30 000 Menschen – hin, um ihn zu sehen. Die deutsche Industrie hatte seine Publikumswirkung schnell erkannt und macht mit ihm Reklame großen Stils. Dahl ist die Garantie für erfolgreiche Werbung, da er neben seiner persönlichen Leistung eine wichtige psychologische Voraussetzung mitbringt: er braucht das Publikum. Ihn befriedigt die Sensationsrolle eines Spielfilms nicht; er will Menschen sehen, er liebt die Zuschauer, ohne die ihm die Arbeit keine Freude macht. Aber im Gegensatz zu einigen Filmdarstellern, die nach Erlangung des Filmruhms im Leben eine schlechte Rolle zu spielen beginnen, ist Dahl der bescheidene, unauffällige Junge geblieben, der so sparsam lebt, als habe er kein gewichtiges Bankkonto.

Sein Vertrag am 18. Juli sah eine wilde Verbrecherjagd beim Polizeisportfest im Bremer Weserstadion vor. Die Polizei erbot sich, da Dahl als Hauptattraktion angekündigt war, ihn mit dem Krankenwagen abzuholen und als Ehrengast auf die Tribüne zu legen. Dahls Antwort war die Bitte, die Verbrecherjagd so umzuändern, daß ein bereits angeschossener Verbrecher (er mit Geh-Gips) gejagt wird. Seine Begründung: „Ich bin nur ein Artist, aber vielleicht hilft mein Beispiel, den Prozentsatz nicht eingehaltener Verträge zu verringern.“

Als die Initiatoren des Polizeifestes Sonntagmittag mit Armin Dahl das Weserstadion inspizierten, lag es wie ein trostloses, großes Planschbecken im strömenden Regen. Das Wetter änderte sich nicht, doch das Stadion füllte sich bis zum Beginn mit Tausenden. Die überdachten Tribünenplätze waren ausverkauft und die ungeschützten Ränge dicht gefüllt, Dahl hielt sein Versprechen: Nach der Verbrecherjagd zeigte er in Höhen von 100 bis 200 Metern an einer Strickleiter unter einem Hubschrauber waghalsige Akrobatik, die viele an seiner schweren Verletzung zweifeln ließen.