Der französische Ministerpräsident hat seinen kurzen Pariser Aufenthalt aus Anlaß der Konferenz mit dem amerikanischen Außenminister dazu benutzt, Weisungen für das Vorgehen der Regierung in Tunis zu geben, da der Zusammenbruch von Gesetz und Ordnung dort ernster als in Marokko ist und weil es leichter erscheint, in Tunis qualifizierte Vertreter des Nationalismus zu finden, mit denen Gespräche über die zukünftige politische Entwicklung des Landes geführt werden können. Die erste Maßnahme war ein Wechsel des Zwangsexils des Führers der nationalistischen tunesischen Neo-Destour Partei, Habib Bourguiba, der im Februar 1952 in Tunis verhaftet und nach der tunesischen Insel Galite gebracht worden war. Ende Mai 1954 wurde er nach der Bretagne-Insel Groix transportiert, da die französischen Behörden eine heimliche Zusammenarbeit mit seinen Parteifreunden in Tunis befürchteten. Nunmehr hat ihm Mendès-France das Château de la Ferte im Departement Loire als Aufenthaltsort zugewiesen. Bourguiba hat den Wechsel begrüßt und erklärt, er sehe in diesem Schritt, der ihn näher an Paris heranbringe, ein Hoffnungszeichen. „Wenn man in Tunesien eine Entspannung herbeiführen will“, so sagte er, „dann muß man die mehr oder weniger vagen Pläne einer tunesisch-französischen Integration aufgeben und sich damit begnügen, Frankreichs Anwesenheit in Tunis auf die Freundschaft Tunesiens zu stützen, eine Anwesenheit, die übrigens schon durch die militärische Macht Frankreichs gesichert wäre, die wir nicht in Frage stellen. Freunde, Verbündete Frankreichs: Ja. Franzosen: Niemals.“ Die führenden Persönlichkeiten der 225 000 in Tunesien ansässigen Franzosen haben einen „Ausschuß für französische Bereitschaft“ gebildet. Der Ausschuß erklärte, er opponiere gegen eine neue Politik, die zur Vergrößerung der Macht derjenigen führe, die für die Morde und Unruhen verantwortlich seien. Aus diesen beiden Äußerungen ist zu ersehen, wie außerordentlich schwierig eine für beide Seiten annehmbare Lösung der Tunisfrage ist.