x. y., Swinemünde

Umsiedler aus dem von den Polen verwalteten Ostpommern berichten, daß im Juni dieses Jahres die evangelische Christuskirche in Swinemünde monatlich einmal für die Deutschen in der Stadt freigegeben wurde. Das an der kleinen Kirchstraße gelegene Gotteshaus stand bisher ausschließlich den polnischen Katholiken zur Verfügung. An jedem vierten Sonntag hält nun ein polnischer Diakon der Evangelisch-Augsburgischen Kirche für die deutschen Protestanten hier einen Nachmittags-Gottesdienst ab. Die Predigt und die Kirchenlieder müssen in polnischer Sprache gehalten bzw. gesungen werden. Alle Gemeindemitglieder, die in diese Kirche wollen, müssen sich schriftlich verpflichten, in ihr nicht die deutsche Sprache zu gebrauchen.

Gegenwärtig leben in Swinemünde noch 90 deutsche Familien, zusammen etwa 400 Personen. Außer diesen Altbürgern, die im Hafenbaugebiet als unersetzliche Spezialisten festgehalten werden, befindet sich in der Stadt eine jeweils schwankende Zahl von Deutschen. Es handelt sich dabei um Ostpreußen, Danziger, die auf Usedom die Grenze zur Sowjetzone überschreiten wollten und festgenommen wurden. Sie werden in das sowjetische Sperrgebiet Swinemündes (östlich des Kurhauses bis zur Admiralstraße, Strandviertel) gebracht, wo man sie auf unbestimmte Zeit zur Arbeit einsetzt. Zur Zeit sollen sich 800 solcher Aufgegriffenen in Swinemünde aufhalten. Ihnen ist die Teilnahme am protestantischen Gottesdienst nicht erlaubt. Die Seelsorge für sie übt ein gleichfalls festgesetzter Theologiestudent aus Lodz aus, der den Russen als Dolmetscher dient. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß es die sowjetischen Hafenbehörden gestatteten, daß in das Sperrgebiet aus der Sowjetzone gestiftete Bibeln eingeführt werden dürfen. Der provisorische Betraum im Sperrviertel befindet sich in der Viktoriastraße. Hier wurden kürzlich Nottaufen und Konfirmationen vorgenommen.