Zum ersten Male nach der Währungsreform ist der auch früher in der deutschen Wirtschaft äußerst seltene Fall zu verzeichnen, daß eine Gesellschaft ihren Aktionären Freiaktien zukommen läßt. Die Collet & Engelhard Maschinenfabrik AG, Offenbach a. M., verteilt an ihre Aktionäre für 1953 nicht nur 8 v. H. Dividende, sondern gewährt ihnen auch Freiaktien im Verhältnis 5:1 auf das 3,4 Mill. DM betragende Aktienkapital, das demnach um 680 000 DM erhöht wird. Die auf die Freiaktien zu zahlende Kapitalertragsteuer in Höhe von 226 665 DM wird ebenfalls von der Gesellschaft getragen. Dividende und Freiaktien werden aus dem Reingewinn des Jahres in Höhe von 1,17 Mill. DM gedeckt. Der Bericht besagt, daß man den Schritt unter bewußtem Verzicht auf die sonst übliche Vorwegnahme von Rücklagen zur inneren Stärkung des Unternehmens tue.

Der Schritt der Gesellschaft verdient weitergehende Beachtung, weil er zeigt, daß man nach den Jahren der inneren Konsolidierung und des Wiederaufbaues nunmehr auch dem Aktionär Anteil an den Erfolgen der Unternehmen geben kann, ohne daß der Gesellschaft die so dringend notwendigen flüssigen Mittel entzogen werden. Die Aktionäre sind in den ersten Jahren des Wiederaufbaues sehr stiefmütterlich behandelt worden. Wenn ihnen heute aus den Früchten dieses Wiederaufbaues etwas zugeführt wird, dann ist dies nicht mehr als ein nachträglicher Ausgleich. In den letzten Monaten wurde viel davon geredet, daß die Zukunft der westdeutschen Industrie entscheidend von einer Stärkung und Verbreiterung des Kapitalmarktes abhängt; daher darf wohl das Vorgehen dieser Gesellschaft als ein besonders gutes Mittel zur Wiedergewinnung des Vertrauens der Aktionäre bezeichnet werden. Das ist aber auch die Voraussetzung dafür, daß wieder in größerem Umfange die Geldgeber in der Bundesrepublik zum Aktienerwerb veranlaßt werden. m.