Der Generaldirektor des Volkswagenwerkes, Dr. Ing. E. h. Heinz Nordhoff, benutzte das nun schon traditionell gewordene Treffen der VW-Hunderttausender (das Mitte Juli in Stuttgart stattfand und rund 4500 Volkswagen aus dem In- und Ausland zusammenführte, die ohne Motorüberholung mehr als 100 000 km zurückgelegt hatten), um mit gewohnter Offenheit seine Einstellung zum deutschen Kartellstreit darzulegen. Den Ausführungen kommt besonders deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil sich in der Zwischenzeit eine repräsentative Gruppe deutscher Unternehmer für die von Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard angestrebte Verbotsgesetzgebung in der Kartellfrage ausgesprochen hat und die vom Bundesverband der Deutschen Industrie propagierte Mißbrauchsgesetzgebung ablehnt.

In seiner Rede zog Dr. Nordhoff Vergleiche mit den Vereinigten Staaten, in denen unbeschränkt und Unbestritten das Gesetz vom freien Wettbewerb Gültigkeit hat. Er sagte dazu: "Übrigens ist das gar kein Gesetz, sondern ein Glaubenssatz, der mit fanatischer Überzeugung bejaht wird, während bei uns alles um so mehr festgenagelt ist, je näher es an die Grundstoffe geht." Er bezeichnete sich als einen "hundertprozentigen Anhänger und Verfechter des freien Wettbewerbs", ohne den Deutschland nach seiner Ansicht nie zu einem befriedigenden Lebensstandard kommen könne. Auch die gesamte deutsche Automobilindustrie begrüße diesen freien Wettbewerb als einen unentbehrlichen Antrieb zu technischem und wirtschaftlichem Fortschritt: "Wer sich stark fühlt und bereit und imstande ist, zu arbeiten und etwas zu leisten, der muß für den freien Wettbewerb sein, für die freie Luft, in der allein man atmen kann." Dem Bundeswirtschaftsminister rief Heinz Nordhoff zu: "Landgraf, bleibe hart!" und sagte dann weiter: "Sein Weg ist der, der zum Erfolg geführt hat und weiter führen wird, nicht aber der Weg, der die doch nur halben oder Viertel-Erfolge, die wir in Deutschland bisher hatten, gleich in die Tiefkühltruhe der Kartellabmachungen legen möchte, um ein gesichertes Rentnerdasein zu führen. Das ist ja leider das Ideal geworden, von dem alle träumen, die sich nicht dem freien Wettbewerb stellen wollen, weil ihnen dazu – vielleicht mit Recht – das Selbstvertrauen fehlt."

Dieses Glaubensbekenntnis eines der führenden deutschen Industriekapitäne verdient, so meinen wir, eine sehr ernsthafte Beachtung, auch wenn es von Dr. Nordhoff etwas sarkastisch offenbart wurde. Wenn es dazu dient, die versteiften Fronten endlich einmal aufzulockern, dann hat sich der Mut dieses Mannes gelohnt... ww.