Die etwa zwölf tausend Menschen, die am vergangenen Sonntag auf den Hamburger Turnierplatz hinausgepilgert waren, um der Entscheidung des 26. Deutschen Springderbys beizuwohnen, waren mehr als nur Enthusiasten. Sie waren ausgesprochene Pferdenarren, die Wind und Wetter trotzten. Der Regen hatte den ohnehin schon schweren Parcours so schwierig gemacht, daß die Turnierleitung einen der besonders gefährlichen Sprünge aus dem Kurs strich. Es blieben noch genügend andere klobige Hindernisse übrig, die in dem tiefen Morast zu bewältigen, höchste Kraft der Pferde und meisterliche Geschicklichkeit der Reiter verlangten.

34 Pferde unter 26 Reitern fanden sich diesmal am Start ein. Wer immer nur einen Namen im deutschen Springsport hat, stellte sich zum Kampfe, der infolge des aufgeweichten und grundlosen Bodens wohl der schwerste und unangenehmste in allen bisherigen Derbyprüfungen gewesen sein dürfte. Die Fehler hagelten denn auch nur so, und im ersten Durchgang blieben mit je acht Minuspunkten Fritz Thiedemann auf "Diamant" und H. H. Lammerich auf "Nemo" die Besten. Sie mußten nun über sieben Hindernisse stechen, Deutschlands populärster Reiter und Olympiadritter war hier der Glückliche, und konnte sich mit vier Fehlern an die Spitze setzen und die wertvolle und stolze Trophäe endgültig gewinnen.

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Zehn Tage vor den Europameisterschaften in Bern trafen sich die deutschen Leichtathleten in drei Länderkämpfen mit der Schweiz, Holland und Luxemburg zu einer letzten Prüfung. Alle Kämpfe wurden sicher und überlegen gewonnen. Die besten Leistungen waren der 400-Meter-Lauf von Haas mit der hervorragenden Zeit von 47,0 Sek. in Ludwigshafen, der 80-Meter-Hürdenlauf von Anneliese Seonbuchner mit 21,9 Sek., was dem deutschen Rekord entspricht, und der 200-Meter-Lauf des deutschen Juniorenmeisters Oberste, der in 22,4 Sek. den besten holländischen Sprinter Saat sicher schlug.

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Die deutschen Fußballeute sind merkwürdige Menschen. Nun haben sie mit der Weltmeisterschaft endlich erreicht, was sie sich immer gewünscht haben, und nun wollen sie nicht die einzig richtige Folgerung daraus ziehen. Die wäre: alles daran zu setzen, auch in den Jahren bis zu der nächsten Meisterschaft zu zeigen, daß der deutschen Nationalelf der höchste Titel im Weltfußball mit Recht zugesprochen wurde. Das heißt: diese Elf muß zu internationalen Spielen antreten. Das bedeutet natürlich für die Vereine, aus deren Reihen die Ländermannschaft gebildet wird, Verzicht in mancherlei Hinsicht. Da ja schließlich auch ein Weltmeisterschaftsspieler nicht pausenlos spielen kann, müßte er manchem Spiel seines Vereins fernbleiben, was für den Verein eine bedeutende Schwächung der eigenen Mannschaft und zudem auch einen finanziellen Ausfall bedeuten würde. Den aber will man auf keinen Fall riskieren, lieber noch läßt man Weltmeister Weltmeister sein, und schert sich nicht um das Ansehen des deutschen Fußballsports, das notwendig leiden muß, wenn die deutsche Meisterelf ihre internationalen Spiele nicht mehr gewinnen würde.

Die Mehrzahl der Vereine will ihre in Frage kommenden Spieler nicht öfter als viermal für Spiele der Nationalmannschaft abstellen. Einige würden sechs Spielen zustimmen. Der Bundestrainer aber hält acht Spiele für das mindeste, wenn er seine Elf auf der Höhe halten soll. Auf der letzten Bundestagung des DFB wurde diese wichtige Frage leider nicht behandelt, und so wird zunächst weitergewurschtelt. Daß darüber die Kampfkraft der Mannschaft und mit ihr die internationale Geltung in die Brüche gehen werden, scheint die kleinen Vereinsegoisten nicht zu stören. Man würde sich jetzt sogar, auch als begeisterter Anhänger des Amateursports, auch mit dem reinen Professionalismus abfinden, etwa mit einer professionellen Nationalliga; denn mit dem Vertragsspieler – besser gesagt, dem Halbprofessionalfußball wird der deutsche Fußball auf die Dauer bestimmt nicht viel zu bestellen haben. Die stärksten Fußballnationen der Welt, die nun häufiger denn je unsere Gegner sein werden, sind alle schon längst zum Professional übergegangen. W. F. Kleffel