Der verfrühte Lufthansa-Auferstehungsfilm „Morgengrauen“ wäre nichts mehr als einer der üblichen halb guten, halb schlechten Filme deutscher Herkunft, wenn seine Schöpfer darin nicht gewisse politische Vorlieben und Abneigungen durchblicken ließen. Der Held des Streifens weiß nämlich über seine Behandlung in sowjetischer Gefangenschaft nichts zu berichten, als daß die Sowjets ihn und einen ebenfalls verwundeten Kameraden von Lazarett zu Lazarett schickten und alles für ihn taten, was sie konnten. Es mag sein, daß hin und wieder jemand so behandelt wurde. Angesichts der Hunderttausende aber, die die Sowjets verhungern oder erfrieren ließen oder die sie auf Vernichtungsmärschen, durch Mißhandlungen oder Vorenthaltung vorhandener Medikamente liquidierten, erscheint das erwähnte Fliegererlebnis reichlich atypisch. Auffällig aber wird es, wenn gegen Schluß des Films eine Verhandlung vor einem britischen Militärgericht des Jahres 1953 stattfindet, in der die britischen Offiziere eine äußerst peinliche und unsympathische Figur machen. Gewiß hat es das im Kriege gegeben, und wer in einem britischen Verhörlager in Ägypten oder London oder gar in Nenndorf gewesen ist, kennt das und Schlimmeres. Vor einigen Jahren wäre eine solche Szene vielleicht noch verdienstvoll und das Zeichen einer gewissen Courage gewesen. Heute aber fragt man sich, ob hier die Absicht besteht, die Engländer schwärzer zu machen als die Sowjets. h. b.