a. d., Hamburg

Zehn Millionen 1- und 2-Pfennig-Stücke sind in der Bundesrepublik nach der Währungsreform in Umlauf gebracht worden; das sind rund 25 Pfennige auf den Kopf der Bevölkerung. Dennoch klagen die Banken und Sparkassen über empfindlichen Mangel an diesen kleinen, aber wichtigen Münzen. Wo die wertvollen Pfennige bleiben, zeigte ein Verfall in Hamburg.

Es war morgens gegen 4.00 Uhr. Über den verlassenen Paulinenplatz ging ein Paar, das sich mit schwerer Last abmühte. Ein Funkstreifenwagen hielt und die Ordnungshüter fragten nich dem Woher und was man da transportiere. Der Mann, dem der Schweiß auf der Stirn stand, erklärte, man trage leere Konservendosen zu einer Tante, um Pflaumen einzumachen. Ungläubig faßte der Polizist ein Gepäckstück an, setzte es wieder ab und bat das Paar zur Wache. Das Gepäck bestand aus 18 000 Zigaretten aller Sorten und mehreren Beuteln mit insgesamt 19,8 Kilogramm 1- und 2-Pfennigstücken. Ein Verkaufsstand am anderen Ende der Stadt war beraubt worden. Der Dieb hatte die Mühe auf sich genommen, die rund 100 Mark im Gewicht einer feldmarschmäßigen Ausrüstung mitzunehmen, weil nach seiner Auffassung allein der Kupferwert die Mühe lohnte.

Er war einem weitverbreiteten Irrtum zum Opfer gefallen: Pfennigstücke sind aus Eisen und nur mit einer fünfprozentigen Kupferschicht überzogen. Die Herstellung ist zwar teurer als ihr Wert ausmacht, aber krisenfest sind sie nicht, da jede Währungsreform auch die kleinen Münzen ändert. Da die zehn Millionen 1- und 2-Pfennigstücke zu einem großen Teil gehortet werden, hat der Bundesfinanzminister nun wegen des Umlaufmangels eine Neuprägung für die nächste Zeit veranlaßt.