Von Ernst Schrewe

In der deutschen Wirtschaft wird der Heranbildung der Junioren eine immer stärkere Aufmerksamkeit gewidmet. Vorbildliche Arbeit leisten auf diesem Gebiete vor allem die jungen Unternehmer der Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer, die vom 8. bis 10. Oktober in Dinkelsbühl ihre Jahreshauptversammlung abhalten. Auch die Juniorenkreise der Industrie- und Handelskammern entfalten eine anerkennenswerte Aktivität. So fand kürzlich in Bad Neustadt (Saale) eine Tagung der Juniorenkreise der bayerischen Industrie- und Handelskammern statt, die ihren Höhepunkt in einem Vortrag von Prof. Dr. Ernst Schrewe über das Thema "Der Junior in der Öffentlichkeitsarbeit" fand. Nachstehend legt Prof. Schrewe seine Gedankengänge zu diesem aktuellen Thema nieder, die gewiß allenthalben eine starke Bedeutung finden werden.

Wer das Wort "Öffentlichkeitsarbeit" liest, verbindet damit die Vorstellung, daß es sich um das Bemühen handelt, soziale Gegensätze zu überwinden, die ja in unserer industriellen Arbeitsweit am stärksten sichtbar werden. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören im weiteren Sinne aber alle Bestrebungen der Betriebsleitungen, die öfentliche Meinungsbildung nach bestimmen Vorstellungen zu beeinflussen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Sie bewegen sich im wesentlichen in drei Richtungen. Man denkt an die Mitarbeit in den Parteien, Parlamenten, Verbänden und Organisationen. Weiter wird eine Werbung für die betriebliche und branchengebundene Leistung als Öffentlichkeitsarbeit bezeichnet. Sie kann sowohl die Förderung des Verständnisses für die räumliche und volkswirtschaftliche Bedeutung eines Betriebes oder eines Wirtschaftszweiges umfassen als auch (nur) eine deutlich erkennbare Reklame für einen Artikel sein. Die dritte Art der Öffentlichkeitsarbeit befaßt sich mit der Zusammenarbeit der Menschen in der Erfüllung der wirtschaftlichen Aufgaben.

In jeder Richtung dieser Arbeit kommen alle Formen der Meinungsbeeinflussung zur Geltung. Immer wird jedoch das gesprochene Wort ein besonderes Gewicht behalten. Es ist um so wirkungsvoller, je mehr es im persönlicher. Kontakt von Menschen gesprochen wird, die sich in Erfüllung gemeinsamer Aufgaben kennengelernt haben und die wissen, was sie voneinander halten können. Gerade deshalb ist durch die betriebliche Aussprache sehr viel menschliches Vertrauen zu gewinnen. Diese Art der Betätigung liegt allerdings vielen Führungskräften der Wirtschaft nicht, besonders dann nicht, wenn das betriebliche Interesse ihr zu widersprechen scheint. Viele verantwortliche Persönlichkeiten der Wirtschaft meinen, mit einer finanziellen Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit genug getan zu haben und wundern sich dann über den geringen Erfolg ihres Aufwandes.

Die bedeutsamste Aufgabe in der Öffentlichkeitsarbeit ist und bleibt die Steigerung der aktiven, also der persönlichen Mitarbeit der betrieblichen Führungs-, kräfte. Es ist deshalb erfreulich, daß die Nachwuchskräfte der Betriebsleitungen und ihre Zusammenschlüsse sich mit den hier charakterisierten Aufgaben sehr intensiv beschäftigen. In allen drei Aufgabengebieten ist die Mitarbeit der jungeren Kräfte erwünscht und notwendig. Der fruchtbarste Ansatzpunkt für die Mitarbeit der jüngeren Generation ist aber die betriebliche Praxis, besonders hinsichtlich der Sicherung der Zusammenarbeit der Sozialpartner. Was hier erreicht wird, beeinflußt auch den wirtschaftlichen Erfolg der betrieblichen Arbeit und mildert ferner die Gegensätze in den überbetrieblichen Auseinandersetzungen.

Zu dieser Aufgabe findet der jüngere Unternehmer oder Mitarbeiter in der Betriebsführung leichter einen Zugang als zu einer überbetrieblichen Betätigung, für die der Vertreter der jüngeren Generation nur selten die erforderliche Zeit aufbringt. Er muß sich zunächst auf seine betriebliche Arbeit konzentrieren. Und wenn schon die Betriebsleitung in den überbetrieblichen Ordnungen vertreten ist, dann ist das im allgemeinen eine Angelegenheit der Alteren, die in der betrieblichen Praxis durch jüngere Mitarbeiter entlastet sind. Infolge der Verluste und der Auswirkungen des Krieges ist diese Entlastung allerdings sehr unzureichend, zumal der militärische Dienst die jüngeren Kräfte der betrieblichen Praxis oft sehr lange entzogen hat. Mit der Diffamierung ihrer politischen und militärischen Betätigung ergab sich zudem eine zur kritischen Betrachtung neigende Zurückhaltung.

Gleichgültigkeit ist aber auf die Dauer verhängnisvoll. Die jüngeren Kräfte werden (viel mehr als ihre Väter) sich zur aktiven Mitarbeit an den gesellschaftspolitischen Aufgaben bereit finden müssen, weil die Sicherung einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung, in der die unternehmerische Initiative sich entfalten kann, stärkere Anstrengungen als früher verlangt, weil die in dieser Aufgabe mitwirkenden Kräfte erheblich geschwächt sind und in der gesellschaftlichen Umschichtung die Stellung der Menschen in der modernen arbeitsteiligen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung ist. Wer zuverlässige Mitarbeiter gewinnen will, der muß wissen, was die Menschen, mit denen er zusammenwirkt, wollen. Wer von diesem Ansatz her eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sucht, der darf auch nicht die überbetrieblichen Auseinandersetzungen übersehen und muß sich um eine brauchbare Begründung der eigenen Stellungnahme gegenüber anderen Auffassungen bemühen.