Amerikanische Kriegsgerichte haben vor kurzem zwei ehemalige Korea-Kriegsteilnehmer wegen Zusammenarbeit mit dem Feinde während ihrer Kriegsgefangenschaft in Korea verurteilt. Ein im Fort Sheridan in Illinois tagendes Kriegsgericht erkannte den Oberstleutnant der Reserve Harry Fleming für schuldig, dem Feind durch prokommunistische und antiamerikanische Rundfunksendungen geholfen, kommunistische Unterweisungen und Diskussionen geleitet und über den Rundfunk die amerikanischen Truppen zur Kapitulation aufgefordert zu haben. Fleming wurde auch für schuldig befunden, dem nordkoreanischen Lagerkommandanten Informationen gegeben zu haben, die zur Folge hatten, daß in vier Fällen amerikanische Kriegsgefangene, die von den Lagerinsassen sehr gefürchtete Einzelhaft in dunklen und schmutzigen Löchern erhielten, in denen viele Kriegsgefangene starben. Oberstleutnant Fleming, der sich damit verteidigte, er sei einem starken seelischen und physischen Druck ausgesetzt gewesen und habe in der Beteiligung an der ihm aufgezwungenen Propaganda das letzte Rettungsmittel gesehen, wurde zu "unehrenhaftem Abschied" verurteilt, womit ein Verlust aller Pensionszahlungen, Entschädigungen und Privilegien verbunden ist.

Ein anderes kriegsgerichtliches Verfahren betraf den 23jährigen Unteroffizier in einer Infanterieeinheit, Claude J. Batchelor, der im Fort Sam Hauston in Texas vor wenigen Tagen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurde. Batchelor gehörte zu den 22 amerikanischen Kriegsgefangenen, die! nach Abschluß des Waffenstillstandes nicht nach den USA zurückkehren wollten. Ein letzter Rundfunkappell des amerikanischen Oberkommandos am 23. Dezember 1953 bewirkte seine Sinnesänderung. Er benutzte die Silvesterfeier im Lager dazu, unbeobachtet von seinen Kameraden, unter dem Schutz der indischen Wachmannschaften seine Repatriierung zu vollziehen, wofür offiziell Straffreiheit versprochen war. Das Kriegsgericht jedoch erkannte Batchelor für schuldig, sich den Kommunisten als Führer einer als "Friedensliga" getarnten kommunistischen Organisation, die nach Kriegsende in den Vereinigten Staaten aufgebaut werden sollte, zur Verfügung gestellt zu haben, Darüber hinaus sah es der Gerichtshof als erwiesen an, daß Batchelor dem nordkoreanischen Lagerkommandanten Informationen über Mitgefangene gegeben habe, die zu schweren Mißhandlungen dieser Gefangenen geführt hätten. Schließlich wurde er auch überführt, an einem kommunistischen "Gerichtsverfahren" gegen einen Mitgefangenen teilgenommen zu haben.

Batchelor war, als er im Herbst 1950 in Kriegsgefangenschaft geriet, nur wenige Wochen in der Front gewesen. Das Verhalten der Chinesen, die ihn und seinen Spähtrupp gefangennahmen und nach der Entwaffnung mit Händedruck als Kameraden begrüßten, hatte auf Batchelor einer, starken Eindruck gemacht. Dieses Erlebnis wurde für die Haltung des damals 19jährigen in den Jahren seiner Kriegsgefangenschaft entscheidend. Er sah in seinen kommunistischen Gefangenenwirtern "Kameraden", mit denen er um so enger zusammenarbeitete, je größer ihr "kameradschaftliches Verhalten" ihm gegenüber war. Der Verteidiger Batchelors hat vergeblich versucht, das Kriegsgericht davon zu überzeugen, daß auch diese, auf "Kameradschaft" abgestimmte Taktik der Kommunisten zu dem von ihnen angewandten System der "Gehirnwäsche" gehöre, daß Batchelor ein Opfer dieser raffinierten Technik geworden sei und daß die Anwendung von Gewaltmaßnahmen der Kommunisten gegen Batchelor niemals zu dem von ihnen gewünschten Resultat geführt hätte.

Auf der irrigen Auffassung, daß die Kommunisten die "Gehirnwäsche" ihrer Kriegsgefangenen nur mit Gewaltmitteln durchführen, beruht auch der Lehrplan einer Schule für Kriegsgefangene, die die amerikanische Luftwaffe in Südkorea in einer rauhen Gebirgslandschaft in der Nähe des Marine-Stützpunktes Chinhae eingerichtet hat. Das Schulgelände besteht aus einem mit Stacheldrahthindernissen eingezäuntem Zeltlager, einigen alten Betonbunkern und aus Wohnbaracken für das Lehrpersonal. Diese Schule verfolgt das Ziel, das fliegende Personal der in Korea stationierten Verbände der USA-Luftwaffe mit den Methoden vertraut zu machen, die die Kommunisten in ihren Gefangenenlagern anwenden, um die Kriegsgefangenen für ihre militärischen und politischen Ziele zu gewinnen. Das Oberkommando der Luftwaffe glaubt, durch diese praktische Aufklärung die Besatzungen im Ernstfall bei einer Gefangennahme gegen eine "Gehirnwäsche" durch die Kommunisten widerstandsfähiger zu machen.

Es ist großer Wert darauf gelegt worden, daß die 40 Kursusteilnehmer, die jeweils eine Woche lang die "Schule" besuchen, eine möglichst "echte" Behandlung erfahren. Der Leiter der Schule, der die Rolle des Lagerkommandanten spielt, und seine Wachmannschaften sind ehemalige Kriegsgefangene, die persönlich Erfahrungen über kommunistische "Gehirnwäsche" besitzen. In dem Augenblick, in dem der Schulungsteilnehmer im Lager eintrifft, wird er als Kriegsgefangener der Kommunisten behandelt. Seine Habseligkeiten, einschließlich der Zigaretten, werden ihm abgenommen. Er wohnt in einem alten, undichten Zelt. Das Essen besteht aus Reis mit Fischköpfen oder ähnlichem Abfall. Tagsüber wird er körperlich gedrillt, wobei stundenlanges Laufen um das Zelt mit Händen über dem Kopf besonders geübt wird. Die "Vernehmungen" finden in der Nacht statt. Hierzu werden die Kursusteilnehmer einzeln von Wachmannschaften herausgerufen. Mit den Händen über dem Kopf werden sie in einen Munitionsbunker geführt, wo sie von dem "ersten Kommissar" vernommen werden. Dieser Hauptfeldwebel ist ein alter erfahrener POW, der während einer Vernehmung sämtliche ihm wohlbekannten Register zieht und je nach der Lage der Dinge lächelt oder wütend wird, flüstert oder brüllt, droht oder beschwichtigt.

Die meisten der von ihm vernommenen Kursusteilnehmer sagen bei ihren Vernehmungen mehr aus als das, was ihnen nach der Dienstvorschrift bei einer Vernehmung durch den Feind gestattet ist. Sie lassen sich einschüchtern und geben jede gewünschte Auskunft. Dem "Kriegsgefangenen" bleibt auch nicht die Einzelhaft in einem dunklen und schmutzigen Loch erspart, aus dem er nachts von Wachmannschaften herausgeholt und vor den Lagerkommandanten Captain Young, mit dem Spitznamen "Ivan der Schreckliche" gebracht wird. Young sitzt hinter einer Laterne, trägt eine hochgeschlossene dunkelgrüne Bluse, schwarze Hosen, schwarzes Koppel und ebensolche Schaftstiefel. Ziel seiner "Vernehmung" ist es, von dem "Kriegsgefangenen" eine Unterschrift unter eine kommunistische Friedensresolution zu erhalten. Durch seine routinierte Vernehmungstechnik erreicht er dieses Ziel in vielen Fällen.

Alle sieben Tage beginnt ein neuer Kursus. Monatlich gehen 150 Mann durch diese Schule, die auf Grund der im Koreakrieg gemachten Erfahrungen eingerichtet wurde. Ob und wie sie sich bewährt, kann nur im Ernstfall festgestellt werden. Wahrscheinlich wird es aber trotz drakonischer Urteile von Kriegsgerichten und der Einrichtung von Schulen für künftige Kriegsgefangene auch in Zukunft Flemings und Batchelors geben, wozu gewiß die öffentliche Verherrlichung jener Delegation ehemaliger nichtrückkehrwilliger rotchinesischer Kriegsgefangener aus Korea beitragen dürfte, die zur Zeit in einer "Mission des guten Willens" durch die Vereinigten Staaten reist.

Ernst Krüger