v. z., München

Der Präsident des Bayerischen Landtags, Dr. Alois Hundhammer, hat die Verteilung von zweihundert Exemplaren der Landshuter Zeitung "Isarpost", die für die Abgeordneten bestimmt waren, im Parlamentsgebäude verboten, offenbar, weil er die Volksvertreter vor schädlicher Lektüre bewahren wollte. Dabei enthielt die Nummer wenig, was nicht auch sonst bereits ein beliebtes Zeitungsthema und in München Stadtgespräch wäre, einen Bericht nämlich über den sogenannten Metex-Skandal. Das "Memminger Textilwerk für Streichgarn-Spinnerei und Weberei" ist unter Leitung des geschäftsführenden Gesellschafters Gerhard Lazari, der früher Mitarbeiter von Robert Ley war und sich nachdem Krieg als "Vierteljude" und Verfolgter ausgab, in einen Zweieinhalb-Millionen-Konkurs geraten. Wie es möglich war, daß Lazari einen Kredit der Bayerischen Staatsbank von 110 00 DM tatsächlich in Höhe von 900 000 DM in Anspruch nehmen konnte und zehn Tage vor seiner Verhaftung im Januar 1955 weitere 100 000 DM erhielt, muß der Prozeß noch klären. – Der Finanzminister Zietsch deutete an. es könnten Einflüsse von außen mitgespielt haben. Zur Affäre wurde der Fall, als der rührige Konkursverwalter Quittungen über eine Reihe von Spenden entdeckte: 500 DM an den Landrat von Memmingen, den Abgeordneten Dr. Karl Lenz, der sich nicht nur für Kredite, sondern auch für die Abwendung eines Steuerstrafverfahrens tatkräftig einsetzte, 1000 DM an den Wirtschaftsbeirat der CSU München, 200 DM an den SPD-Abgeordneten Max Drechsel, der sich im Landtag für einen hohen Staatskredit verwandte. 500 DM an den SPD-Abgeordneten Lothar Frenzel, und einiges andere mehr. Inzwischen sind die meisten dieser Geschenke schleunigst in die Konkursmasse zurückgewandert (Drechsel wurde sogar aus seiner Partei ausgeschlossen). Dr. Lenz stellte auf Grund seiner Bemühungen um Lazari und die Metex eine Gegenrechnung auf. Daß ein Beamter und Abgeordneter kein Anwalt ist, der sich Spesen zahlen lassen kann, kam ihm anscheinend nicht in den Sinn. Entweder lag, was er tat, im öffentlichen Interesse, dann durfte er legitime Kosten höchstens durch das Landratsamt einziehen lassen, oder es lag nicht im öffentlichen Interesse, dann, so schreibt die "Isarpost" drastisch, habe Dr. Lenz sich "abschmieren" lassen. Er trat auch bisher nicht als Landtagskanditat zurück, obwohl das Vertrauen, das die Delegierten des Kreisverbandes Memmingen ihm wieder aussprachen, nur eine äußerst dünne Mehrheit hat. Es heißt, Lenz sei nicht als einziger impliziert, und offenbar hat er, ein streitbarer Mann, keine Lust, Kosten und Folgen des Skandals allein zu tragen.

Diese betrübliche Geschichte also wollte Dr. Hundhammer als sorgender Hausvater gern von den Seinen fernhalten, zum mindesten im Parlament. Er wollte Lenz vor dem Angriff schützen. Der Zeitung gegenüber beruft er sich auf das Hausrecht. Was aber sagen die Vertreter des Volkes dazu? Schließlich ist der Bayerische Landtag kein Mädchenpensionat, und so darf man gespannt sein, ob er die Bevormundung durch ihren Primus stillschweigend hinnehmen wird.