Sparen braucht Vertrauen. Oberstes Prinzip der Sparkassen war es darum auch immer, nie den geringsten Zweifel an ihrer Vertragstreue aufkommen zu lassen. Selbst in Zweifelsfällen war man sich bei den Sparkassen darüber klar: pacta sunt servanda (Verträge sind zu halten).

Mit erschrockenem Erstaunen hören wir nun, daß eine Sparkasse in einer gegen sie laufenden Klage eines früheren Vorstandsmitgliedes wegen Nichteinhaltung eines im Jahre 1934 abgeschlossesenen Dienstvertrages offenbar anderer Auffassung ist. In den von diesem Institut eingereichten Unterlagen lesen wir, daß die Sparkasse den strittigen Vertrag deswegen nicht anerkennen wolle, weil die satzungsmäßigen Organe 1934 nicht auf legale Weise gewählt und ihr Kuratorium, ihr Verwaltungsrat und damit auch ihre Direktion "gleichgeschaltet" worden seien. Im übrigen sei dieses Vorstandsmitglied aus politischen Gründen nicht mehr tragbar gewesen. Es wäre auf Befehl der Besatzungsmacht aus seiner Stellung entfernt worden.

Wir halten solche Gedankengänge – besonders für eine Sparkasse – für nicht ganz ungefährlich. Abgesehen davon, daß es sich unseres Wissens hier um einen Mann handelt, der schon lange vor 1933 sich im Bank- und Sparkassenwesen einen guten Namen als Fachmann erworben hat: eine Sparkasse, die sonst mit Stolz ihren privatrechtlichen Charakter hervorzuheben pflegt, scheint uns schlecht beraten zu sein, wenn sie es auf einen Prozeß ankommen läßt, in dem es letzten Endes um den Nachweis geht, daß einmal privatrechtlich übernommene Verpflichtungen nicht erfüllt zu werden brauchen. Wenn man nämlich die Legalität seiner satzungsmäßigen Organe von 1934 bis 1945 in dieser Form bestreitet, dann läuft man auch Gefahr, daß man in unübersehbarem Umfang anderen Vertragspartnern, die sich von unbequemen Verpflichtungen befreien wollen, die entscheidende Waffe selbst in die Hand gibt.

Es geht hier also um mehr als einen Prozeß. Es geht hier um die Rechtssicherheit, um die Rechtssicherheit überhaupt und im Sparkassenwesen im besonderen. Wir alle wissen aus schmerzlichen Erfahrungen, welche Verheerungen durch den Einbruch politischer Argumentationen im Bereich der Wirtschaft angerichtet werden können: pacta sunt servanda! kr.