m. m., Kiel

Der 1947 in Kiel gegründete "Forschungsrat", bestehend aus Mitgliedern der Universität, der Wirtschaft und der Verwaltung, befaßte sich vor kurzem mit den ungenutzten Algenfeldern der Ostsee.

Prof. Hoffmann sprach über die wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeiten der Meeresalgen an der Ostseeküste. Er hat während der letzten Jahre mit dem Forschungsschiff "Südfall" die gesamte Ostseeküste bis zur 6-m-Tiefenlinie im Zick-Zack-Kurs abgefahren und eine exakte Bestandsaufnahme der "Algenfelder" durchgeführt. Die Algenvorkommen sind nach seiner Aussage "überraschend groß".

In einigen "Probefeldern" wurden genau abgegrenzte Gebiete von einigen Quadratmetern durch Taucher abgeerntet. Dabei stellte sich heraus, daß der Bewuchs an "Algenmasse" pro Quadratmeter in Algenfeldern 1 bis 5 kg beträgt. Dann wurde das flachere Küstengebiet zwischen der Lübecker Bucht und der Flensburger Förde mit Hilfe eines "Wasserkiekers" auf Algenwuchs und dessen Dichte erforscht. Die Algenforscher haben insgesamt etwa 40 000 t "Rohalgen" unter den blauen Ostseewellen ausfindig gemacht, die in zehn großen Hauptfeldern wachsen. Von diesen birgt das größte Feld an der Westseite von Fehmarn allein 6280 t Algen. Wirtschaftlich am besten nutzbar sind noch ein Feld vor der Flensburger Förde, eins bei Großenbrode und eins vor der Kliffküste von Schwansen. Bei Einrechnung des "dreijährigen Umtriebs" und der Verluste kommt man jedoch nur auf eine jährliche Algenernte von 3200 t. Diese würde jedoch als Rohstoffgrundlage für eine Fabrikation von Algensäure in Mengen von 130 bis 150 t jährlich genügen, die einen Produktionswert von rund einer Million DM darstellen. Algensäure wird heutzutage in Deutschland von der Textilindustrie, der Kosmetikindustrie, der Pharmazie und anderen Industriezweigen dringend benötigt und daher importiert. Trotz vielfacher Anfragen von interessierten Kreisen über die Möglichkeit einer Algensäuregewinnung an der Ostseeküste hat bis jetzt, außer einer Firma auf Fehmarn, noch kein Betrieb seine Arbeit aufgenommen. Es wäre jedoch unsinnig, weiterhin jährlich Rohstoffmengen im Werte von einer Million nutzlos verkommen zu lassen. Einen ersten Ansatz für die Algenverwertung bildet der Plan einer Futtermittelfabrik, Algen als Viehfutter zu verarbeiten.