Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die in der Vorwoche bestehende leichte Preisfestigungstendenz bei der überwiegenden Anzahl der Welthandelsgüter wurde während der Berichtswoche (27. 9. bis 1.10.) von einer stärkeren rückläufigen Preisbewegung abgelöst, der jedoch keine besondere Bedeutung beizumessen sein dürfte, weil sie sich im Rahnen der seit Wochen bestehenden rhythmischen Preisbewegung befindet. Diese Entwicklung ist einerseits auf verstärkte Abgabeneigung – z. T. ausgelöst durch die Festigungstendenz der Vorwoche – and andererseits auf zurückhaltende Dispositionen der Nachfrageseite zurückzuführen. In Anbetracht des positiven Ausgangs der Londoner Konferenz kann jedoch angenommen werden, daß die Dispositionsfreudigkeit der Käufer zunimmt. Auf einigen Weltwarenmärkten – z. B. bei Schweißwolle und Kautschuk – wirkte sich während der Berichtswoche wiederum die Nachfrage der UdSSR belebend aus, ohne jedoch marktbestimmend zu sein.

Getreide: Abgesehen Ton Weizen lagen die New Yorker Getreidepreisnotierungen während der Berichtswoche im Durchschnitt niedriger als in der Vorwoche. Wenn sich die Weizenpreisnotierungen auch leicht festigten, so war der Marktverlauf doch durch Liquidationen und Sicherungsabgaben gekennzeichnet. Die Nachfrage war im allgemeinen begrenzt und begünstigte somit die rückläufige Preistendenz. Die Preisentwicklung während der Berichtswoche wurde wieder weitgehend durch die überaus großen Vorräte beeinflußt. Die Zeitung "Courrier du Commerce" stellt fest, daß die in den USA und Kanada tatsächlich für den Export zur Verfügung stehenden Getreidemengen zweimal so hoch sind wie der Importbedarf der Welt in der Saison 1954/55, und daß die Nachrichten über geringere Ernten in den USA und anderen Ländern nur vorübergehenden Einfluß auf die Preisbildung genommen haben. Im Zuge des Abbaues landwirtschaftlicher Überschußerzeugnisse gab das US-Landwirtschaftsministerium am 1. Oktoter bekannt, daß nach Unterzeichnung eines entsprechenden Gesetzes beabsichtigt ist, agrarische Erzeugnisse im Werte von 384 Mill $ den Ländern Spanien, Jugoslawien, Großbritannien, Pakistan, Japan, Chile und anderen anzubieten. Ferner hat der amerikanische Kongreß den Präsidenten ermächtigt, in den nächsten drei Jahren Waren im Gesamtwert von 700 Mill. $ gegen Zahlung in entsprechender er Landeswährung zu verkaufen. – In der Bundesrepublik wird in diesem Jahr eine Ernte von 6,1 Mill. t Brotgetreide, gegenüber 6 Mill. t – je 3 Mill. t Roggen und Weizen – im Vorjahr erwartet. Der Zuschußbedarf wird auf 3,2 Mill. t, gegenüber fast 2,5 Mill. t im Vorjahr, geschätzt.

Weizen: Auf dem USA-Weizenmarkt hielten sich die Anlieferungen in engen Grenzen, wodurch vereinzelte Käufe ausgelöst wurden. Der Kauf von mehr als 350 000 bu US-Rotwinterweizen seitens Portugals und das Bekanntwerden der Absicht, daß die Bundesrepublik Deutschland 3,73 Mill. bu US-Rotwinterweizen zur Oktober/November-Verschiffung kaufen will, dürfte der Preisfestigungstendenz weiteren Auftrieb gegeben haben. – Der Liverpooler Weizenterminmarkt wies während der Berichtswoche in seiner Preisentwicklung geringe Schwankungen auf, die durch vereinzelte Deckungen und Liquidationen hervorgerufen wurden.

Aluminium: Die zunehmende Verwendung von Aluminium hat neben laufenden Produktionssteigerungen auch zu Exportausweitungen geführt. Nach Angabe des kanadischen Bundesamtes für Statistik war die Aluminiumausfuhr im Juni mit 17,7 Mill. $ etwa 9 v. H. höher als in dem entsprechenden Vorjahrsmonat. Im 1. Halbjahr lag die Ausfuhr mit 93,8 Mill. $ etwa 7 v. H. höher als im gleichen Zeitraum 1953.

Kupfer: Die Angebotslage in Kupfer hat sich während der Berichtswoche weiter ständig versteift, da die Streiks im nordamerikanischen Kupferbergbau noch nicht beigelegt werden konnten und sich die Situation in Chile erneut verschärft hat. Die Arbeiter im Kupferbergbau von Potrerillos haben erneut Streikabsichten zu erkennen gegeben. Eine weitere Anspannung der Versorgungslage wurde durch die US-amerikanische Bekanntmachung ausgelöst, den Kupferexport aller Art einschließlich Altkupfer wegen der knappen Versorgungslage einzuschränken. – Inwieweit die Verlautbarung, keine allzu scharfen Restriktionen durchzuführen, den Markt entlasten wird, ist zur Zeit noch nicht zu übersehen. Forderungen der Kupferverbraucher, eine vorübergehende Zuteilung aus der strategischen Reserve vorzunehmen, wurden vom Leiter des US-Amtes zur Mobilisierung der Verteidigung (ODM) abgelehnt. Da die Braden Copper Company am 1. 10. die Lohnforderungen der Beschäftigten des Bergwerkes El Teniente akzeptiert hat, was für die Gesellschaft eine Mehrbelastung von etwa 200 Mill. Peso bedeutet, dürfte die Preisbewegung bei Kupfer wieder langsam zum Stillstand kommen.

Zinn: Die vom Singapurer Markt ausgehende rückläufige Preisbewegung wirkte sich auch auf New York und London aus. Neben einem sich abzeichnenden Überschußproblem – dies stellte kürzlich eine Londoner Zinnhandelsfirma fest – dürfte nicht zuletzt die Beruhigung der politischen Lage um Formosa auf die Preisentwicklung dieses Metalls Einfluß genommen haben. Nach einer neueren Veröffentlichung der Internationalen Zinnstudiengruppe per Ende Juni 1954 beläuft sich die Weltzinngewinnung in Form von Konzentraten gegenwärtig auf einen Jahressatz von 155 000 lgt, während der Zinnmetallverbrauch nur etwa 135 000 lgt beträgt (ohne UdSSR und China). Bei Zugrundelegung dieser Größen ergibt sich ein jährlicher Produktionsüberschuß von 20 000 lgt. Hierbei muß jedoch berücksichtigt werden, daß die Produktionszahlen Malayas und Indonesiens neuerdings einen steigenden Trend aufweisen. Da aber die USA dem Markt zur Zeit noch eine größere Menge als die oben angeführte Überschußerzeugung von 20 000 lgt entziehen, wird ein Marktdruck isoliert Interessant dürfte der Zinnmarkt im Frühjahr 1955 werden; denn zu diesem Zeitpunkt laufen die nordamerikanischen Kontrakte mit Indonesien und Bolivien ab, und die Errichtung eines Puffervorrats, es sind 15 000 lgt vorgesehen, wird für die Erzeugerländer um so notwendiger.