In der Eröffnungskundgebung der kürzlich gestarteten Werbeaktion "Wiedersehen mit Deutschland" sprach Bundesverkehrsminister Seebohn vor leitenden Vertretern des in- und ausländischen Reiseverkehrs von der Bedeutung des Tourismus als "unsichtbarem Import". Die Aktion bezweckt, den Reiseverkehr nach Deutschland auch außerhalb der Hochsaison zu fördern. (Über die Vergünstigungen für ausländische Besucher berichteten wir in unserer Ausgabe Nr. 29.)

Gar vielfach hört’ ich die Rednerei

von "hohen und höchsten" Interessen.

Ich forschte nach, was dieses sei,

und fand "gut trinken und essen"

Als wir, von unseren beiden Freunden Albert Ballin und Felix v. Eckardt begleitet, zum Hotel ,Atlantik‘ gingen, wo wir abzusteigen pflegten, stand vor der Tür der kleine Pfordte. Er wir ein Wahrzeichen von Hamburg, wie die Maus an der Marienkirche ein Wahrzeichen von Lübeck. Jeder Handwerksbursche, der nach Lübeck kam, mußte die Maus gesehen haben; und wer Hamburg in unserer guten Zeit besuchte, mußte Pfordte kennen, denn er repräsentierte in der deutschen Stadt, in der man am besten aß, die Kunst, der Brillat-Savarin seine ‚Physiologie du goût‘, dem Karl Friedrich von Rumohr seinen ‚Geist der Kochkunst‘ gewidmet hat Er setzte uns ein kleines, aber ausgesuchtes Abendessen vor, nach seiner Maxime, daß, wenn der Mensch anderswo esse, er bei ihm diniere." – Das, was hier Fürst Bernhard von Bülow in seinen "Denkwürdigkeiten" über seine ersten Tage als Reichskanzler a. D. von Pfordte, dem "Atlantik" und Hamburg erzählt, könnte man mit fast demselben Recht noch von manchen anderen deutschen Städten und Gastronomen sagen. Denn seit jeher sind viele Gasthäuser, die man ehedem "Tabernen" und später "Herbergen" nannte, Wahrzeichen ihrer Städte, und der gute Ruf ihrer tüchtigen Wirte trug zum Ansehen des städtischen Gemeinwesens viel bei. Mögen auch der holländische Humanist Geert Geerts, den die Welt unter dem Namen Erasmus von Rotterdam kennt, und der badische Schriftsteller Hans Ulrich Megerle, der sich melodisch Abraham a Santa Clara nannte, noch so sehr gegen die deutschen Wirtshäuser gewettert und dadurch ihrem Ansehen zuzeiten außerordentlichen Schaden zugefügt haben, diese beiden Kritiker wurden schon zu ihrer Zeit noch und späterhin vielmals von anderen Reisenden Lügen gestraft und überzeugend widerlegt.

So wie unser Recht und unsere Rechtsprechung auf römischer Lehre und Erkenntnis beruht, so danken wir die Ursprünge unseres deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes römischen Lehrmeistern. Es ist sehr interessant, darüber in dem Buche "2000 Jahre Gaststätte" zu lesen, das kürzlich im Alfred-Metzner-Verlag, Frankfurt am Main, erschienen ist. Es hat einen so wohlinformierten Mann wie Dr. M. Hoffmann zum Verfasser, der nicht nur der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes, sondern auch seit dreißig Jahren ein begeisterter Forscher der Kulturgeschichte der Gaststätten aller Länder ist.