Mehr als die Hälfte des Volkseinkommens wird von Frauen ausgegeben, sagt die Statistik. Darin liegt kein allgemeiner Vorwurf an die Adresse der Weiblichkeit. Tatsächlich gehen die vielen Milliarden Mark, die von Frauen ausgegeben werden, zum Erhalt der Familie drauf; der Löwenanteil davon für Essen und Trinken.

Jetzt wenden sich zwei große Ausstellungen in Hamburg in erster Linie an die Frauen: die Lebensmittelfachschau in den "Planten un Blomen"-Hallen und die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft "Vom Tier zum Tisch".

Die Aussteller wollten natürlich auch verkaufen; und dieser Wunsch mag manchem Besucher allzu unverhüllt anspringen. "Meine Klöße müssen Sie von Ihrem Händler verlangen!", herrschte ein Verkäufer mich an, die ich doch voll guten Willens war, mich erst einmal unterrichten zu lassen, was es mit diesen Klößen auf sich habe. Und reumütig habe ich beschlossen, meinen Einzelhändler das nächste Mal notfalls an den Haaren zur Ausstellung zu zerren, auf das mir der Vorwurf meines Versagens künftig erspart bleibe. – Bei anderer Gelegenheit fiel ich noch einmal auf. Noch damit beschäftigt, die Erklärung zu verdauen, daß ich ohne den Besitz der hier angepriesenen XYZ-Maschine überhaupt nicht existieren könne, entließ mich ihr wortgewaltiger Vertreter voller Entrüstung: "Wenn ich Sie nicht überzeugen kann, beim Handel ist unser Gerät überhaupt nicht zu haben!", und klappte wütend sein Notizbuch zu.

Die Aussteller haben sich viel Mühe mit der Erforschung der weiblichen Psyche (oder was sie dafür halten) gegeben. Offenkundig hat man ihnen gesagt, Frauen fühlten sich im Durcheinander am wohlsten. Oder hatten sie am Ende mit all den krausen Dingen, die man beim besten Willen nicht mit einer "Lebensmittel-Fachausstellung" in Beziehung bringen kann, nur die Lücken der überdimensionalen Hallen füllen wollen? Was haben etwa Rasier- und Elektrisierapparate hier zu tun?

Nun ja, diese Ausstellungen sind von Verkäufern gemacht. Und die müssen halt – das ist ihr Beruf – den Verführer spielen: Vielleicht sind Frauen wirklich leichter zu Ratenzahlungsgeschäften zu bewegen als Männer.

Was diese Verkäufer in Vielfalt, in anziehender Dekoration und hygienisch untadelig boten, war jedenfalls besser als der im Prinzip gute Einfall einer Frauenorganisation: sie stellte in riesigen Glaskästen drei Wochenküchenzettel in Naturalien vor, mit denen die Hausfrau für je sechs, acht und zehn Mark eine vierköpfige Familie ernähren kann. Nur verging dem Beschauer leider beim Anblick der benachbarten Leckerbissen der Appetit auf die "vorbildlichen" Mahlzeiten.

Enttäuscht konnte nur sein, wer von diesen Ausstellungen ungewöhnlich neuartige Lebensmittel erwartet hätte. Solche Entwicklungen stoppt unser derzeitiges Nahrungsmittelgesetz mehr, als vielleicht gut ist. Dafür sind "Vitamine" noch immer der Reklameschlager Nummer eins: es gab kaum irgend etwas Genießbares, das nicht unter Hinweis auf Vitamingehalte nach Beachtung schrie! Interessanter war die Bekanntschaft mit neuen technischen Errungenschaften –: Haushaltsgeräte aller Art, die unsere Küchen- und Kocharbeit beträchtlich erleichtern. Solche Stände waren – kein Wunder im Zeitalter der berufstätigen, zeitsparenden Frau – immer umlagert.