Die Finanzminister der Länder haben dieser Tage darüber beraten, ob in der Bundesrepublik ein Zahlenlotto eingeführt werden solle. Das Lotto ist ein Glücksspiel, das sich durch besondere Primitivität auszeichnet, eine Art Trottel-Toto, in Österreich im 18. Jahrhundert eingeführt, mit dem einzigen Ziel, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen und dem Fiskus zuzuführen. Außer der Lotterieverwaltung und der Steuerbehörde kann daran niemand verdienen, es sei denn, der Traumbuch-Autor, der in seinen Traumdeutungen bestimmte Traumzahlen erfindet, wie das in Österreich seit jeher geschieht. Die Länder sind eigentlich gegen das Lotto eingestellt, aber die Tatsache, daß Berlin 1953 eines gegründet habe, lasse befürchten, daß drei bis fünf Millionen DM im Jahr aus den Bundesländern an Einsätzen herausgezogen werden und nach Berlin wandern könnten. Das werde zwangsläufig dazu führen, daß auch die anderen Bundesländer das Zahlenlotto einführen müßten.

In der Bundesrepublik wird längst viel zuviel gespielt, nicht nur im Toto und in den Lotterien, sondern außerdem in Spielbanken, in Ecarté-Klubs und an unendlich vielen Spielautomaten in kleinen und kleinsten Kneipen, an denen die Jugendlichen erste Versuche machen, ohne Arbeit und Leistung zu Geld zu kommen. Es wäre viel besser, wenn Berlin weiter drei oder fünf Millionen aus der Bundesrepublik "herauszieht", als wenn – um dies zu verhindern – in allen Bundesländern der Versuch gemacht werden sollte, mit einer heftigen Propaganda den "Umsatz" einer höchst fragwürdigen Einrichtung auf dreißig oder fünfzig Million nen zu bringen. a