Nobelpreisträger Professor Hahn: "Kein vernünftiger Mensch kann an den Unsinn von den fliegenden Untertassen glauben." – In Nr. 35 der ZEIT vom 2. September 1954 gaben wir dem außerordentlichen Professor für Astronomie an der Universität Hamburg und Abteilungsleiter der Sternwarte Bergedorf, Hans Haffner, als wissenschaftlichem Gegner der "Untertassentheorie" das Wort. In seinem Artikel wendet er sich energisch gegen den Bestseller "Der Weltraum rückt näher" des amerikanischen Marine-Majors D. E. Keyhoe und versucht, die tatsächlich zahlenmäßig nur geringen, bisher ungeklärten Flugkörpererscheinungen durch die Kugel- und Perlschnurblitztheorie zu erklären. Keinesfalls will er sämtliche unbekannten Flugobjekte mit dieser Theorie in Verbindung bringen. Eine unerwartet große Anzahl von Zuschriften veranlaßt uns, dieses vielumstrittene Thema noch einmal aufzugreifen. Der folgende Beitrag beruht auf amerikanischen Quellen.

Über eine deutsche Agentur erhielt ich vor etwa drei Wochen Photos eines Hersfelder Photographen, die einen unscharfen, scheibenförmigen Gegenstand am Himmel zeigten. Als ich diese Photos auf den Schreibtisch eines Amerikaners legte, der mit solchen Angelegenheiten vertraut ist, lachte er mich an: "Aufgenommen morgens früh, keine oder wenig Zeugen, Photograph hatte Kamera zufällig schußbereit, nicht wahr?" Ich zeigte ihm den Text: Der Photograph hatte morgens um 6 Uhr früh mit seiner Kamera einen Spaziergang gemacht und die Untertasse gesichtet und photographiert. Zeugen gab es nicht.

In der neuesten amerikanischen Luftwaffenerklärung über unbekannte Flugobjekte (UFO) heißt es: "Unzählige Objekte, vom Aschbecher bis zur Waschschüssel, sind, durch die Luft segelnd, photographiert worden. Viele dieser Photos wurden veröffentlicht ohne Angabe ihrer wahren Identität."

Der Air-Force-Bericht erklärt weiter: "Die amerikanische Luftwaffe besitzt keinerlei Photos, die die Existenz von fliegenden Untertassen beweisen. Da Photos sehr leicht gefälscht werden können, durch Photomontage oder Trickaufnahmen oder durch Negativretusche, sind sie als Beweismittel völlig wertlos. Lediglich Kinofilme sind schwerer zu fälschen, deshalb sind sie für die Untersuchungen interessanter. Ein paar Filme sind der Luftwaffe zugegangen, aber sie zeigen nur stecknadelkopfgroße Punkte, die über den Himmel ziehen. Die Luftwaffenexperten waren nicht in der Lage, diese Objekte wegen ihrer Winzigkeit zu identifizieren."

Die amerikanische Luftwaffe hat sich 1947 zum erstenmal offiziell mit den Publikumsberichten über UFO beschäftigt, weil die amerikanische Öffentlichkeit der Meinung war, daß alle Dinge, die die Luftverteidigung des Landes berühren, gründlich untersucht werden sollten. Am 27. Dezember 1949 gab die Luftwaffe ihr Untersuchungsergebnis über 375 gemeldete Untertassen bekannt. In dem amtlichen Bericht heißt es, daß die Mehrzahl als mißgedeutete Objekte irdischer Herkunft aufgeklärt wurden, wie zum Beispiel Ballons und Flugzeuge. Unter den Ballons nehmen die von 30 Meter Durchmesser mit besonders reflexibler Oberfläche für größte Höhen eine besondere Stellung ein. Andere UFO konnten als meteorologische Erscheinung und Lichtreflexe von kristallinischen Partikeln der oberen Atmosphäre erklärt werden, einige waren Scherze, und nur einige wenige ließen sich nicht aufklären. Die Bekanntgabe dieses Ermittlungsergebnisses regte die Phantasie des amerikanischen Durchschnittsbürgers so an, daß 1950 schon wesentlich mehr, 1951 noch mehr, 1952 die meisten Untertassen "gesehen" wurden, nämlich 1700 Stück. Ungefähr 70 Prozent der Berichte kamen aus der Zivilbevölkerung, 20 Prozent waren so konfus, daß sie unbestimmbar waren.

BisMittel953 fiel dieZahl der Untertassen-Meldungen auf 250, wovon 501 Prozent aus militärischen Kreisen kam. Die Anzahl der unerklärbaren Objekte fiel auf 10 Prozent. Die Luftwaffenkommis-Größe, Farbe, Form, Geschwindigkeit, Höhe, Richtung und Art der ausgeführten Manöver nicht beantwortet, ist wertlos. Die Luftwaffe spricht die

Überzeugung aus, daß diese präzisen Fragen die Anzahl der unerklärbaren Objekte noch weiter mindern wird.