Wyschinskis Abrüstungs Vorschlag

Mit dem von Wyschinski in der UNO bekanntgegebenen Abrüstungsvorschlag hat Moskau einen erstaunlichen Rückzug angetreten. Der neue sowjetische Vorschlag schließt sich nämlich eng an einen Abrüstungsplan an, der im Juni dieses Jahres bei den Verhandlungen einer UNO-Abrüstungskommission in London von den Vertretern Englands und Frankreichs als Kompromiß zwischen der amerikanischen und der sowjetrussischen Auffassung ausgearbeitet worden war und den die Sowjetunion als "unannehmbar" abgelehnt hatte. Die politische Entwicklung der letzten drei Monate hat genügt, um Moskau zu einem radikalen Kurswechsel zu veranlassen.

Die Sowjetregierung erklärt nunmehr ihr Einverständnis mit dem im britisch-französischen Vorschlag festgelegten Zeitplan für die Abrüstung, nach dem zunächst einmal die Stärke der Streitkräfte den Stand vom 31. Dezember 1953 nicht übersteigen soll und ebenso die Ausgaben für den Wehretat nicht über die des Jahres 1953 hinausgehen dürfen. Sobald dieses vorbereitende Stadium der Abrüstung erreicht ist, werden Verhandlungen über den Gesamtumfang der Abrüstung vorgeschlagen, die sich auf alle Waffen, konventionelle und ABC-Waffen (Atom-, biologische und chemische Waffen) erstrecken. Wenn der Gesamtumfang festliegt, müssen die einzelnen Länder innerhalb von 6 bis 12 Monaten fünfzig Prozent der für sie festgelegten Gesamtabrüstung ausführen. In dieser Zeit soll eine vom Sicherheitsrat der UNO eingesetzte zeitweilige Internationale Kontrollkommission die notwendige Überwachung der Abrüstung vornehmen. Ist dieser Abschnitt beendet, muß in weiteren 6 bis 12 Monaten die restliche Abrüstung erfolgen. In diesem Endstadium soll auch ein vollständiges Verbot von Atom- und Wasserstoffbomben und anderen Waffen der Massenvernichtung wirksam werden. Für diesen Abrüstungsabschnitt soll dann ein ständiges Internationales Kontrollorgan mit dem Recht zur jederzeitigen Inspektion geschaffen werden.

Rhee läuft Amok

Die Angriffe, die der südkoreanische Staatspräsident Syngman Rhee seit geraumer Zeit gegen das amerikanische Uno-Oberkommando in Korea richtet, haben nunmehr eine Form angenommen, die von der USA-Botschaft in Seoul als "unentschuldbar" bezeichnet wird. Ein Sprecher der Botschaft erklärte hierzu, Dr. Rhee habe in einem in koreanischer Schrift der koreanischen Presse zugeleiteten offiziellen Dokument das Uno-Oberkommando beschuldigt, Korea ohne Warnung aufzugeben, sich zu weigern, Korea eine angemessene militärische Hilfe zu gewähren, die Armee Südkoreas in ihrem Wunsch, den Krieg zu gewinnen, zu behindern, und Japan zu ermuntern, Korea wirtschaftlich und militärisch zu versklaven.

Der südkoreanische Finanzminister forderte zu gleicher Zeit auf Weisung Rhees die sofortige Rückzahlung aller an die Uno-Streitkräfte in koreanischer Währung geleisteten Vorschüsse, die zur Bezahlung der von den Uno-Truppen angestellten koreanischen Zivilisten dienen. Falls die Rückzahlung nicht innerhalb von 24 Stunden zu dem Kurs von 180 Wahn für einen Dollar erfolge (am freien Markt werden für einen Dollar 500 Wahn gezahlt), werde die Regierung dem Oberkommando koreanisches Geld nicht mehr zur Verfügung stellen.

In die offizielle Haßkampagne gegen Japan, die von der südkoreanischen Regierung auf jede Weise gefördert wird, hat Präsident Rhee persönlich eingegriffen und alle japanischen Bücher und Grammophonplatten verboten. Er drohte ferner damit, alle Geschäftsleute ins Gefängnis werfen zu lassen, die mit japanischen Firmen Geschäftsverbindungen unterhalten oder aufnehmen.

Ganz im Gegensatz zu dieser haßerfüllten Einstellung des südkoreanischen Staatspräsidenten hat Kim Il Sung, das Staatsoberhaupt Nordkoreas, seine Bereitschaft zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Japan zum Ausdruck gebracht. Er ist besonders an dem Wiederaufbau der im Kriege durch Luftangriffe zerstörten Kraftwerke interessiert, wofür die japanische Schwerindustrie die Maschinen liefern könnte. Während Nordkorea bestrebt ist, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu den Nachbarstaaten einschließlich Japans auszubauen, schließt sich Südkorea durch die Politik Rhees immer mehr ab, so daß es schon jetzt nahezu isoliert ist. E. K.