ül., Finsing

Die Leichenfrau Anna Huber aus Finsing im Isartal ist in den Streik getreten. 117 Tote hat das Wasser beim Bayernkraftwerk schon angetrieben, sechs davon in diesem Jahr, alle hat sie zur letzten Ruhe geleitet, aber – erst ein einziger ist heuer bezahlt. "War scho recht", sagt die Huber, "aber bal sie’s net zahln, nach derfan’s eahnane Wasserleichn selm eingraben." Sie, das ist die Gemeinde, die einen Vorschuß geben soll, wenn die Angehörigen säumig oder nicht zu ermitteln sind. Ohnehin ist es nicht viel, was sie als Obolus bekommt, fünfundvierzig DM zusammen mit dem Fahrer, aber weil die Gemeinde jedesmal noch außerdem 140 DM Kosten hat, rückt sie nicht gern etwas heraus; denn bis es vom Fürsorgeverband zurückkommt, das dauert manchmal Morate. Schließlich aber muß auch eine Leichenfrau lesen. Am 12. September hat sie sich noch einmal herbeigelassen, ihr Werk auf Kredit zu tun. Aber das war das letzte Mal, erklärt sie, und daß es ihr ernst damit ist, bewies sie, indem sie den Bürgermeister Georg Buchmann kürzlich zwang, sich auf seinen Traktor zu setzen und mit Hilfe des Landpolizisten einen Toten zu bergen, einzusargen und ihn im Schauhaus selber auszustellen.