Paris, im Oktober

Der Pariser Salon, einstmals die Plattform zur Vorstellung neuer Modelle vor der Weltöffentlichkeit, wird immer mehr zu einer Ausstellung, die einerseits dem französischen Käuferpublikum, andererseits auch dem internationalen Autohandel gilt. Der Wandel ist wohl in erster Linie auf den Durchbruch der Fließfertigung zurückzuführen, die – in Anbetracht der hohen Einrichtungskosten – nur in sehr großen Zeitabständen grundlegende konstruktive Änderungen zuläßt, ebenso aber auch Experimente von vornherein ausschließt und damit die vielen Erfinder und Neuerer, die früher mit als Eintagsfliegen zu wertenden Konstruktionen den Salon bevölkerten, aus dem Grand Palais verdrängt hat.

Wenn heute von grundsätzlich neuen Typen in den Firmendruckschriften die Rede ist, so handelt es sich auch bei diesen fast immer nur um Weiterentwicklungen früherer Modelle oder aber um den Zusammenbau bereits lange vorhandener Bauelemente. Auf diesem Salon bieten beispielsweise die (jetzt mit Simca vereinigten) französischen Ford-Werke eine neue "Vedette", die wohl als Neuerungen eine selbsttragende Karosserie und eine neue (dem britischen Ford-Werk entlehnte) Vorderradfederung besitzt, aber ansonsten die Bauelemente des bisherigen Modells gleichen Namens aufweist. Und wenn die französische Korosseriefabrik Facel mit einem "ganz neuen" Sportwagentyp "Vega" aufwartet, so ist selbst dieser nur durch den Zusammenbau bekannter Teile (so auch des 4,5-Liter-V8-Motors von Chrysler) entstanden. Ein Dreirad-Kombiwagen der neuen Marke Sherpa (sie wird kaum lange bestehen), mit Antrieb des einzigen Vorderrades, zeigt den Motor-Triebsatz von Panhard.

So erscheinen die Verbesserungen an bestehenden Typen weit interessanter und auch bedeutsamer. Es ist schon eine Tat, wenn der kleine Citroën als der billigste Wagen Frankreichs in einer zweiten Fassung, die etwa 4400 DM kostet und einen größeren Motor von 425 ccm erhalten hat, mit einer zusätzlichen automatischen Kupplung ausgerüstet wird, die das Abwürgen des Motors verhindert und den Anfahrvorgang erleichtert. Ebenso ist beachtenswert, daß Citroën beim Sechszylinder-Fronttriebtyp zu einer hydropneumatischen Federung der Hinterräder übergegangen ist.

Die übrige Industrie zeigt in der Hauptsache ebenfalls bekannte Typen bzw. Verbesserungen bestehender Modelle (wie z. B. Vauxhell "Cresta" oder Hillmann "Husky"), die man schon in Genf, in Turin und auf vorjährigen Ausstellungen sehen konnte. Die deutsche Industrie stellt zehn von den ausstellenden 73 Marken aus sieben Produktionsländern. Die von Auto Union-DKW, BMW, Borgward, Ford-Köln, Goliath, Lloyd, Mercedes-Benz, Opel, Porsche und VW vorgeführten Modelle het en sich dabei sowohl in konstruktiver Hinsicht wie auch im Finish günstig ab. Zu den Attraktionen der Schau zählen der Mercedes-Benz Formel-Rennwagen sowie der Rennsportwagen der (wie es auf dem Stand verzeichnet steht) in dieser Saison 200mal siegreich gewesenen Marke Porsche. Jedenfalls verdienen diese beiden Schaustücke doch etwas mehr ernste Würdigung als der "Firebird" von General Motors, dieser einem Flugzeugrumpf ähnliche Experimental-Einsitzer mit Strahltriebmotor...

47 Nutzfahrzeugmarken (darunter Büssing, Goliath, Hanomag, Henschel, Magirus-Deutz, MAN, Mercedes-Benz, Opel und Tempo) sowie 135 Motorradmarken (unter ihnen Ardie, Auto Union-DKW, BMW, Dürkopp, Hoffmann, Horex, NSU, Rabeneick, Steib, TWN, Victoria und Zündapp), schließlich Hunderte von Ständen der Teile- und Zubehörindustrie (deutscherseits Bosch, SWF, Zahnrad) ist ein Register, das Ulis eines t Patentanwaltes angelegt wurde und das alle seit diesem Jahre eingetragenen Warenzeichen nach ihrem phonetischen Klang enthält. Heute ist die Arbeit weit komplizierter geworden. Das phonetische Register allein reicht längst nicht mehr aus; eine alphabetische Wortzeichenkartei, eine Endungskartei und eine Bildkartei mußten zusätzlich geschaffen werden.

In Ahrensburg ist man aber noch einen Schritt weitergegangen: das vom Schutz-Marken-Dienst ausgearbeitete Lochkartensystem gibt dank einer sinnvollen Einteilung der Lochkarte die Möglichkeit, alle nur denkbaren Prüfgänge maschinell in kürzester Frist durchzuführen. Die Prüfmaschinen sortieren im Durchschnitt 20 000 Karten – also 20 000 verschiedene Warenzeichen – in der Stunde. Das bedeutet, daß Altwarenzeichen in der Kollisionsüberwachung mit den veröffentlichten Neuanmeldungen und selbst den internationalen Registrierungen maschinell verglichen werden können, um eine rechtzeitige Widerspruchserhebung zu gewährleisten. Eine rechtsberatende Tätigkeit übt der Schutz-Marken-Dienst allerdings nicht aus. Er übermittelt lediglich den objektiven Befund der Warenzeichenrolle dem daran interessierten Hersteller, der dann genau darüber unterrichtet ist, ob sein Warenzeichen die angestrebte Einmaligkeit besitzt oder ob es bereits von einem gleichen oder ähnlichen Zeichen "besetzt" ist. Daß sich die deutsche Wirtschaft (und auch das Ausland) dieser vorbildlichen Einrichtung immer stärker bedient, hat seinen guten Grund: das Ahrensburger Institut ist in Deutschland einmalig. Willy Wenzke fabrik Friedrichshafen, Webasto, Boge, Teves, Fichtel & Sachs, Dowidat, Wippermann, Feintechnik, Matra und Hunger) vervollständigen diese Schau in Lack und Chrom. St. v. Szénásy