o. c., Bremen

Die Debatte über den Haushalt des Landes Bremen war das Signal. 74 notwendig gewordene Lehrerstellen, die dem Staat mit 640 000 DM mehr teuer als lieb erschienen, sollten gespart werden. Ihre Arbeit hätten die schon vorhandenen Lehrer mit zu übernehmen, wodurch die wöchentliche Pflichtstundenzahl von 24 allerdings auf 25 erhöht werden müsse. So beschloß, es die Bürgerschaft am 31. März. Die anschließende Billigung des Senats gab diesem trojanischen Pferd, das in den sonst so friedlichen Schulbezirk zu rollen drohte, den letzten Schubs. Aber nicht nur die mit klassischen Kriegslisten vertrauten Geschichtslehrer, sondern die gesamte Lehrerschaft Bremens war auf der Hut. Mit Protestversammlungen des Philologenvereins und der Lehrergewerkschaft, mit Eingaben an den Senat, mit Presseveröffentlichungen über vergleichende Zahlen in anderen Bundesländern und dem Ausland, mit der Weigerung, jede Tätigkeit, wie Schulwanderungen, Führen von Statistiken, Schulsparen, Filmveranstaltungen, Besichtigungen usf., weiterhin auszuüben, hieb sie so ungestüm auf den Friedensstörer ein, daß er monatelang weder vor- noch rückwärts kam, denn von hinten drückten kaum weniger wirkungsvoll die Paragraphen des Beamtengesetzes, die Strenge der Dienstanweisungsmöglichkeiten und der Appell an die Loyalität sowie Beispielspflicht der Pädagogen.

Die Eltern- und Schülerschaft sah dieses Kampfgetümmel zuerst mit Staunen. Dann erkannte auch sie, daß im Bauch dieses harmlos aussehenden Geschenks die Unlust am Unterricht, mangelnde Vorbereitung, überarbeitete, und damitüberreizte Lehrer, liebloses Dozieren, letzten Endes also eine gewaltige Schar von Nachteilen verborgen war, Sie an der Entfaltung zu hindern, ging die Lehrergewerkschaft zum Gegenangriff über. Sie verklagte den Senat kurzerhand vor dem Arbeitsgericht wegen Nichtbeachtung des Mitbestimmungsrechts in der Verwaltung. Schulsenator Dehnkamp (SPD) sah sich in die peinliche Lage versetzt, einen Beschluß, den er zwar selbst nicht gutgeheißen, aber im Senat auch nicht verhindert hatte, verteidigen zu müssen. Der erste Termin Anfang September brachte keine Entscheidung. Nur die Bürgerschaft beschloß wenige Tage später, den Beschluß vom Frühjahr erst einmal auszusetzen, obwohl die SPD-Fraktion nach einer eleganten Kehrtwendung sogar einen Antrag eingebracht hatte, ihn aufzuheben. Und jetzt gar erklärte Senator Dehnkamp, das Thema der erhöhten Pflichtstunden sei "praktisch erledigt". Die Mittel zur Neueinstellung von Lehrern sind doch vorhanden, weil weniger Schüler die Schulbank drücken, als man es zur Haushaltsberatung vorausberechnet hat. Sie tun es seit dem 21. April Schon nach über fünf Monaten hat man es gemerkt. Das troianische Pferd wird unauffällig abgezäumt. Es lächeln die Auguren.