v. z., Ramsau

Die Gams ist ein empfindliches Tier", sagt der Forstmeister Wilhelm Neri von der Rimsau. "Vier Jahre wird sie alt, bis sie die ersten Jungen bekommt, und mehr als die Hälfte von ihnen gehen im Winter regelmäßig wieder ein." Er macht sich Sorgen, denn in den letzten Jahren hat sich die Gamsräude ausgebreitet, eine Krankheit, die von alten Chroniken um 1750 und noch einmal um die Jahrhundertwende gemeldet wurde. Sie kam im Krieg aus Österreich, Tausende gingen ein, das ganze Dachsteingebiet ist heute so gut wie gamsleer, Tennen- und Hagengebirge und das Gebiet ums Kammerlinghorn sind betroffen, und auch die Kolonie im Blühnbachtal ist angegriffen.

Für den Menschen ist die Räude ungefährlich, sie ist nicht ansteckend. "Zum Glück bleiben kranke Tiere am Platz, sie wandern nicht. Man erkennt sie leicht, sie haben kahle Stellen im Fell und scheuern sich an Felsen und Latschensträuchern.

Ein Heilmittel gibt es bisher leider nicht, man kann nur versuchen, das Wild allgemein gesünder und stärker zu machen. Die alten und schwachen Tiere sind stets die ersten Opfer, und da die Gemsen auch sehr an der Wurmplage leiden, arbeitet die tierärztliche Fakultät in München jetzt an einem Mittel, das man den Salzlecken beifügen wird. "Das ist alles, was wir tun können", sagt Forstmeister Neri. "Und die kranken Tiere abschießen, aber auch damit muß man sparsam sein. Normalerweise ist der Bock erst mit zehn Jahren schußbar, die Geiß ab zwölf bis fünfzehn." "Wir haben etwa tausend Stück in unserem Gebiet, und wenn wir den Bestand zu sehr vermindern, kann es Jahrzehnte dauern, bis er sich wieder erginzt.