Der Titel dieses Buches heißt Frauen ohne Männer, und der Verfasser John Lawrence. Der Verleger schließlich ist F. H. Kerle in Heidelberg. Als Hauptfigur fungiert die "Jungfrau wider Willen". Auch die vermutlichen Leser sind vom Verlag vorsorglich schon auf dem Klappentext genannt: "Alle Frauen, bei denen es irgendwie mit der Liebe oder Ehe hapert." – "Irgendwie?" Ist das nun Dummheit oder Unverschämtheit?

Diesem "Interessenkreis" also serviert der Verfasser auf dem Tablett seiner "zwanzigjährigen Erfahrungen in drei Erdteilen" seine Rezepte für alle Lebenslagen, zusammengestellt mit gütigem Eifer und echter Hilfsbereitschaft. Mit Recht ohne Güte dagegen eifert er ausführlich über die Mißstände unserer Zeit vom Pin-up bis zu Mister Kinsey, zu dem Befriedigte und Unbefriedigte in Freuds Namen greifen.

Ich gebe gern zu, daß es für eine Frau schwierig ist, zu einem ordentlichen Mann zu kommen, und daß es noch schwieriger wird, wenn sie nicht dazu gekommen ist. Ich gebe auch zu, daß der einzige Mensch, der solche Probleme als unbeteiligter Dritter erörtern darf, ein Geistlicher sein sollte. Laurence ist katholischer Geistlicher. Warum aber spricht er dann nicht als Priester, sondern als Mann über Probleme, von denen er als Mann auch nicht mehr, wahrscheinlich aber weniger als andere Männer versteht?

Die Quintessenz seines Buches: Ehelosigkeit ist kein Unglück, sondern ein "Zufall", ist deshalb auch im milden Glanz guter Ratschläge, "The best of it" zu machen, kein Halt für die Frauen ohne Männer, die ihr Schicksal als Unglück empfinden, Menschen, deren Probleme sich so freundlich banalisieren lassen, wie der Verfasser es tut, lesen vermutlich keine Bücher. Zumindest nicht in Deutschland.

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Eine Frage an den Verlag F. H. Kerle, der mir als seriöses und um ernsthafte Literatur bemühtes Unternehmen bekannt ist: stimmt angesichts solcher Kapitelüberschriften und Ankündigungen wie: "Ist der Myrtenkranz außer Mode?" oder: "Ist Keuschheit gesundheitsschädlich?" oder: "Warnende Beispiele für alle Jungfrauen wider Willen..." meine Vermutung, daß man mit solchem Buche auch einmal einen "Bestseller" haben wollte?

m. z.